Kopf Der Woche: Dr. Karin Wilkening, Diplompsychologin
Ausgabe: kopf der woche, menschen, trauer, karin wilkening, psychologie, 32/2012
08.08.2012
- Susanne Huber
Die Diplompsychologin und Gerontologin Karin Wilkening ist eine der Referenten/innen bei den Salzburger Hochschulwochen (6.bis 12. 8.). Neben der Verantwortung am Lebensende und der ganzheitlichen Hospizarbeit wird sie auch die Bewältigung von Trauerprozessen in den Blick nehmen. „Trauer ist ein Thema, das schlecht in unsere Zeit passt“, sagt Karin Wilkening. „Wenn wir ein Unwohlsein haben, nehmen wir eine Pille; wenn uns ein Fernsehprogramm nicht gefällt, zappen wir weg; aber Trauer muss man bewältigen.“ Über viele Jahre hat die Diplompsychologin Trauergesprächskreise angeboten. „Man muss den Leuten sagen, dass dieses Gefühlschaos, das auf einen zukommt, wenn ein nahestehender Mensch stirbt, normal ist. Man ist eine Zeit lang ,verrückt‘, steht nicht an dem Platz, an dem man davor stand, hat manchmal seine Mitte verloren und denkt, man ist krank. Aber das gehört zum Trauerprozess dazu“, sagt die 64-jährige Gerontologin. „Trauernde brauchen vor allem zeitlichen Raum – um zu sprechen, zu verarbeiten, sich zu trennen.“
Einschnitt. Karin Wilkening, die im bayrischen Bad Aiblingen geboren und in der Tübinger Gegend aufgewachsen ist, lebt mit ihrer Familie in Gross-Einsiedeln in der Schweiz. Eines ihrer drei Kinder ist 1980 gestorben. Dieses einschneidende Erlebnis hat sie zur Hospizbewegung geführt. Nach einem Studienaufenthalt 1988/89 in England war Karin Wilkening einige Zeit beim Caritasverband in Hannover tätig und hat dort die gerontopsychiatrische Fachbegleitung für Sozialstationen aufgebaut. Seit 1994 ist sie Professorin an der Fakultät Soziale Arbeit der Ostfalia, der Fachschule in Braunschweig/Wolfenbüttel und engagierte sich aktiv beim Mitaufbau von vielen Hospizinitiativen. An der Universität Zürich ist sie Lehrbeauftragte für „Praxisfeld Gerontopsychologie“.