"Ich hätt's im Leben nicht besser erwischen können"
Hauptschule, Hängebrücke, Anbetungskapelle, Gästehaus – seit der Steyler Missionar P. Lois Ortner vor zehn Jahren auf die philippinische Insel Sibuyan gekommen ist, baut er. Mit den Gebäuden wächst auch seine Pfarrgemeinde.
Tag für Tag steht der 56-jährige Priester auf der Baustelle: um mit dem Presslufthammer Felsen zu spalten, mit Pritschenwagen Schotter heranzukarren oder Eisenstäbe zu biegen. So versteht P. Lois Ortner seinen Dienst als Missionar: für und mit den Leuten zu errichten, was sie brauchen, mit ihnen zu beten und Gottesdienst zu feiern. Anfang 2002 trennte der Bischof den abgelegensten Teil einer großen Pfarre ab und übergab das Gebiet P. Lois. Nach den ersten Gesprächen mit den Leuten war ihm klar, was die neue Pfarre am dringendsten brauchte: eine Hauptschule. Völlig überraschend erteilte die Behörde die Genehmigung und wenige Monate später hatte er einige Räume notdürftig in Stand gesetzt, sodass der Unterricht beginnen konnte. Heute besuchen 400 Kinder die Schule. „Es ist das Projekt, das die Leute am meisten begeistert“, sagt P. Lois. Kürzlich wurde die Schule von der Behörde mit einer Satellitenschüssel für den Internetzugang ausgestattet – keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Auszeichnung. Jedes Kind hat nun seine eigene E-Mail-Adresse, worauf die Kids mächtig stolz sind. Zu Weihnachten 2012 wird auch eine Pfarr-Website online gehen.
Pastoral der Anbetung. Bald nach dem Schulbau plante P. Lois eine Anbetungskapelle. Zweimal wöchentlich ist abends Anbetung. Das Gebet – es kommen an die 45 Leute – gehört zu den spirituellen Säulen seiner Pastoral. „Alles, was wir in der Pfarre angepackt haben, ist gelungen“, freut er sich: „Ich hätt's nicht besser erwischen können.“ Der Missionar schließt dabei seine ganzen 25 Jahre auf den Philippinen mit ein. Er ist sich sicher, dass das gute Klima in der Pfare mit der Patronin zu tun hat: Die Pfarre ist der heiligen Theresia von Lisieux geweiht, auf deren Hilfe P. Lois große Stücke hält. Die wirtschaftliche Situation auf den Philippinen steht in deutlichem Gegensatz zum geschwisterlichen Miteinander in der Pfarre: „Das Land wird jedes Jahr langsam, aber sicher ärmer.“ Für ihn heißt das, dass er an die 200 Kinder von zwei Grundschulen in den Bergen zu essen geben muss, damit sie überhaupt fähig sind zu lernen. 250 Kilogramm Reis braucht er im Monat, die ihn 125 Euro kosten. Um die Menschen finanziell zu entlasten, errichtet der Missionar einen Friedhof. Noch müssen die Toten des Dorfes – verpflichtend – im 12 km entfernten Stadtfriedhof begraben werden. Ein Todesfall in der Familie bringt in der Regel Schulden mit sich. Bei einem Tagesverdienst von drei Euro sind an die 100 Euro Begräbnisgebühr nur mit einem Kredit aufzubringen. P. Lois: „Wir werden zwei, drei Euro verlangen. Das ist eine echte Hilfe.“ Sein Herzensprojekt ist aber der Kirchenbau. Von den 2000 Pfarrangehörigen wohnen 800 im zentralen Dorf. Von diesen kommen mehr als 500 zum Sonntagsgottesdienst. Für sie erbaut er nun eine „schöne“ Pfarrkirche, wie er sagt: „Ein Kirchenraum muss ein erhebendes Gefühl erzeugen.“ Er hofft, dass die Kirche auch viele Hochzeitspaare aus der Region anzieht, damit die Pfarre Einnahmen hat. Denn er selbst will nach der Kirchweihe weiterziehen – auf eine andere Insel, um wieder von vorne anzufangen.