Dass das Ehepaar Gensch die Reliquien von zwei österreichischen Kapuzinermartyrern aus China bergen konnte, grenzt an ein Wunder. Das wirkliche Wunder aber ist, dass die Missionsgemeinden die kommunistische Verfolgung überlebt haben und heute dort katholisches Leben aufblüht.
Nur etwas mehr als zwei Jahrzehnte wirkten insgesamt 13 Kapuziner, darunter fünf Oberösterreicher, als Missionare im Nordosten Chinas, damals und heute am Ende der Welt. Die Machtergreifung der Kommunisten setzte der blühenden Mission 1946 ein jähes Ende. P. Theophil Ruderstaller (Ostermiething) und P. Antonin Schröcksnadel (Tirol) starben als Martyrer, die Übrigen konnten mit knapper Not entkommen. Vom Schicksal der einheimischen Katholiken hörte man nichts mehr. Man konnte zu Recht annehmen, dass die Gemeinden ausgelöscht wurden. Als sich Gunther und Gisela Gensch, beide Wahloberösterreicher, 60 Jahre nach den schrecklichen Ereignissen auf Spurensuche in die Stadt Fujin begaben, entdeckten sie wirklich die Gräber der beiden Martyrer. Katholiken gebe es keine mehr, wurde ihnen gesagt. Inzwischen waren sie sechs Mal vor Ort und nach und nach wagen sich immer mehr Gläubige an die Öffentlichkeit. Seit Jahren sammelt Gisela Gensch für einen Kirchenbau. Als sie kürzlich wieder nach Fujin reiste, hätte sie auf den Spatenstich gehofft. Doch das Projekt verzögert sich, weil die Stadt von den Christen mehr Eigenkapital verlangt. Die Enttäuschung über den Aufschub währte aber nur kurz, erzählt Gisela Gensch. Sie besuchten nämlich zwei abgelegene, aber große Pfarren. Dem Ehepaar Gensch war bald klar, dass auch diese Gemeinden Gründungen der österreichischen Kapuziner sind. „Es war berührend zu erleben, wie eine aus menschlicher Sicht gescheiterte Mission solche Früchte trägt“, so Gisela Gensch, die inzwischen von weiteren „Kapuzinerpfarren“ erfahren hat.