Einen ganz besonderen Anlass zum Feiern hatten vergangene Woche die Benediktinerinnen vom Unbefleckten Herzen Marias: Am 8. August 2012 wurde Sr. Theresita Radlgruber 100 Jahre alt.
Ausgabe: 2012/33, geburtstag, 100 jahre, sr. theresita radlgruber, benediktinerinnen vom unbefleckten herzen maria, menschen
14.08.2012
- Dagmar Giglleitner
Manche Dinge ändern sich in 100 Jahren nicht: So zum Beispiel Sr. Theresitas Liebe zum Lesen. Hatte sie schon als kleines Mädchen die Nase ständig hinter Büchern, so sind auch heute „gute Bücher und Zeitungen“ der Lesestoff der 100-Jährigen, „weil man beim Weltgeschehen ein bisschen dabei bleiben muss“. Ohne Brille gehe es aber nicht mehr, lacht Sr. Theresita verschmitzt. Die Brille braucht sie übrigens auch zum Briefeschreiben, was nach dem Lesen ihre zweitliebste Beschäftigung ist. Ihre Kindheit verbrachte die Benediktinerin in St. Marien (Kremstal). Obwohl sie immer davon träumte, Missionarin zu werden, zeigte sich, dass ihre Berufung eine andere war: Mit 24 Jahren wurde sie durch einem Traum zu den Caritas-Oblaten von Subiaco-Kremsmünster gerufen. Ohne zu zögern legte Sr. Theresita ihren Wunsch, in die Mission zu gehen, beiseite und folgte dem „Fingerzeig Gottes“. Dieses bedingungslose Vertrauen in Gott und die Bereitschaft, seinem Ruf zu folgen, zeichnete sie ihr Leben lang aus: „Eigene Wünsche habe ich nie aufgebaut. Man muss sich nach dem richten, wie es der liebe Gott fügt.“ Dementsprechend war ihr Leben von einem steten Orts- und Arbeitswechsel geprägt: Sr. Theresita war immer dort zur Stelle, wo sie gebraucht wurde. Ihre vielen verschiedenen Tätigkeiten führten sie bis nach Rom, wo sie unter anderem mit P. Lombardi, dem Gründer der „Bewegung für eine bessere Welt“, arbeitete. Seit 1994 ist die Benediktinerin in Steinerkirchen, wo sie versucht, so viel wie möglich mit der Gemeinschaft mitzuleben. Dass sie nach wie vor täglich um fünf Uhr aufsteht, ist für die 100-Jährige keine Frage. Besondere Pläne macht man im 101. Lebensjahr allerdings keine mehr. Stattdessen ist Sr. Theresita froh und dankbar über alles, was Gott noch für sie bereithält. Denn sie ist fest überzeugt: „Jeder Tag ist ein Geschenk.“