Die chinesischen Christen sprechen nicht gerne über sich, aber es fällt auf, dass es in diesen Gemeinden verantwortungsvolle Laien als Vorsteher gab – und weiterhin gibt. Ein Leitartikel von Josef Wallner
Ausgabe: 2012/33, meinung, leitartikel, pfarren, china
14.08.2012
- Josef Wallner
In den Diözesen Europas wird überlegt, wie es mit den Pfarren weitergehen kann. Ein staunenswertes Zeugnis des Weiterlebens geben katholische Gemeinden in China. Natürlich ist die Situation so völlig anders gelagert, dass direkte Vergleiche sinnlos sind. Aber die Frage drängt sich dennoch auf, wenn zum Beispiel bei Recherchen über die österreichische Kapuziner-Mission im Nordosten Chinas in den 1940er Jahren klar wird: nicht einmal zwanzig Jahre alte Pfarren haben Jahrzehnte kommunistischer Verfolgung – im Untergrund – überlebt. Die chinesischen Christen sprechen nicht gerne über sich, aber es fällt auf, dass es in diesen Gemeinden verantwortungsvolle Laien als Vorsteher gab – und weiterhin gibt. Die Christen haben nicht aufgehört zu taufen und sich im Geheimen zu treffen. Sie haben miteinander und allein viel gebetet. Katholiken erkennt man deshalb auch am Rosenkranz, sagt Gisela Gensch, die seit Jahren Kontakt zu diesen Christen hält. Obwohl sie mit finanzieller Hilfe kommt, wird sie selbst beschenkt: „Die Katholiken dort haben eine ansteckende Frömmigkeit. Man spürt bei ihnen: Gott ist nah“. Treffender kann man nicht beschreiben, was eine zukunftsfähige Gemeinde ausmacht.