Ein rasches Ende des Flüchtlingsdramas in Syrien ist nach Einschätzung von Caritas International nicht in Sicht.
Ausgabe: 2012/33, flüchtlinge, syrien, caritas, welt, not
14.08.2012
„Leider ist ein Szenario wahrscheinlich, wonach selbst nach einem Kampfende keineswegs mit einer raschen Stabilisierung und einem belastbaren Frieden im gesamten Land zu rechnen ist“, sagte Achim Reinke unlängst in Freiburg im Breisgau. Der deutsche Experte hatte in den vergangenen Tagen Projekte der Caritas in Jordanien und im Libanon besucht. Prekäre Lage der Christen. In einer besonders prekären Situation sind nach Einschätzung des Caritasmitarbeiters die syrischen Christen, die rund zehn Prozent der Bevölkerung stellen. Ihnen würden Sympathien mit dem Assad-Regime vorgeworfen. Im Falle eines Sturzes von Assad drohe den Christen Übergriffe und Verfolgung. „Eine Situation wie im Irak nach 2007, die zu einem Massenexodus der Christen führte, ist auch für Syrien nicht auszuschließen.“
Langfristige Unterstützung. Reinke betonte, eine Ausweitung der Flüchtlingshilfe sei nur durch zusätzliche Spenden möglich. „Unsere Finanzmittel sind nahezu erschöpft.“ Nötig sei, die Nothilfen durch langfristige Unterstützung zu ergänzen. So wolle Caritas International beispielsweise Flüchtlingskindern den Schulbesuch ermöglichen und psychologische Betreuung anbieten. „80 Prozent der Syrienflüchtlinge sind Frauen und Kinder. Und viele der jüngsten Vertriebenen sind durch Krieg und Flucht traumatisiert.“
Flüchtlinge. Geschätzte 1,5 Millionen Binnenvertriebene und Flüchtlinge bräuchten umfassendere Unterstützung. Allein in Jordanien hätten rund 200.000 Syrer Zuflucht vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat gesucht, der Libanon habe etwa 100.000 Menschen aufgenommen. Die Kämpfe in Syrien eskalierten immer weiter, ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung. Ohne internationale Hilfe könnten die Aufnahmeländer den Flüchtlingsansturm nicht bewältigen.