Zurücklehnen und abwarten; Regimekritiker mundtod gemacht
Kommentare von Hans Baumgartner und Susanne Huber
Ausgabe: 34/2012, meinung, kommentar, pussy riots, politik, kritik, schönborn
22.08.2012
- Hans Baumgartner, Susanne Huber
Zurücklehnen und abwarten Die Mächtigen stürzt er vom Thron und die Reichen werden leer ausgehen … An die politische Brisanz dieser Zeilen aus dem Magnificat erinnerte Kardinal Christoph Schönborn anlässlich des Marienfeiertags. Nicht „die Macht“ oder „der Besitz“ an sich werden darin kritisch in Frage gestellt, sondern der Umgang damit. Die alte Regel, wer viel hat, der/die hat auch viel Verantwortung, scheint immer mehr in Vergessenheit zu geraten. Da macht sich im Dunstkreis der Politik eine bisher nicht gekannte Selbstbedienungsmentalität breit, da treiben Spekulanten angeschlagene Länder in den Ruin und rauben deren Jugend ihre Zukunft, da werden Missernten dazu missbraucht, auf Nahrungsmittelbörsen Höchstgewinne auf Kosten der Armen und Hungernden zu erzielen. Der „liebe Gott“ allein wird das nicht ändern. Er wird uns schon als Werkzeug brauchen. Zurücklehnen und abwarten sind nicht die höchste Tugend. Hans Baumgartner
Regimekritiker mundtod gemacht Das Urteil ist gefällt. Zwei Jahre Straflager für die drei russischen Musikerinnen der Punk-Band Pussy Riot. Tanzend, mit bunter Kleidung und Masken haben sie im Februar gegen das System des russischen Präsidenten Wladimir Putin protestiert. Dass sich die drei jungen Frauen für ihr Punk-Gebet die orthodoxe Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau ausgesucht haben, ist natürlich provozierend. Trotzdem. Dieses Urteil ist schlicht ein Skandal, denn Meinungsfreiheit ist ein Menschenrecht. In Russland offenbar nur, wenn es den Mächtigen in den Kram passt. Wenn nicht, dann ab in den Gulag. Susanne Huber