Zum Schulbeginn spricht der Direktor des Gymnasiums Dachsberg, P. Ferdinand Karer OSFS, über die Aufgabe von Schule: die Kinder und Jugendlichen zur Freiheit zu erziehen.
Ausgabe: 2012/36, Gymnasiums Dachsberg, P. Ferdinand Karer OSFS, Schule, Schulzweig, Privatschule
04.09.2012
- Josef Wallner
P. Ferdinand Karer braucht keine Worte, um zu erklären, wie er seine Aufgabe als Direktor versteht. Sein Tisch in der Direktion gibt die Antwort. Die gesamte Tischfläche nimmt ein Poster – bedeckt mit einer Glasplatte – ein, auf dem die Porträtbilder aller Schüler/innen des Gymnasiums Dachsberg zu sehen sind – etwa 700 Gesichter. Jedes Jahr gleich nach Schulbeginn produziert das Fotostudio, das die traditionellen Schulfotos knipst, ein neues Poster. „Die Schülerinnen und Schüler zu kennen, mit Namen zu kennen, ist mir ein großes Anliegen.“ Ganz schafft er es natürlich nicht, gesteht er, aber er bemüht sich. Und wenn P. Karer Entscheidungen zu treffen hat, genügt ihm oft ein kurzer Blick auf die Tischplatte. So ruft er sich in Erinnerung, wer im Mittelpunkt stehen muss: die Schülerinnen und Schüler.
Was möchten Sie den jungen Menschen an Ihrer Schule mitgeben? P. Karer: Von Franz von Sales, unserem Ordenspatron, stammt der Satz: „Die Freiheit ist der kostbarste Teil des Menschen“. Das ist das Schlüsselwort für unsere Schule. Denn mit der Freiheit verbindet sich die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung in allen Bereichen – auch für die Umwelt. Das wird zunehmend wichtiger.
Mit dem Schulzweig „Praxis Natur.org“ haben Sie vor Kurzem einen Umwelt-Schwerpunkt gesetzt ... Ja, und wir versuchen in der gesamten Schule nachhaltig zu leben. Am Schulbuffet werden FairTrade-Produkte verkauft, es gibt dort auch kostenlos Äpfel, die die Schüler in unserem Garten geerntet haben. Heuer konnten wir bis März unsere Äpfel anbieten. Auch die Technik setzen wir ein. In den Klassen haben wir eine tageslichtabhängige Beleuchtung, die Strom zu sparen hilft. Die Lampen schalten sich überdies automatisch ab, wenn sich im Raum zehn Minuten niemand bewegt – P. Karer fügt lachend an – also wenn alle die Klasse verlassen haben oder eingeschlafen sind.
Welchen Anspruch verbinden Sie mit einer katholischen Privatschule wie Dachsberg? Wir möchten das christliche Menschenbild in die Welt tragen. Gesellschaftlich schlittern wir in eine atheistische Zukunft. Und dabei geht uns viel verloren. Und zwar was? Das Bewusstsein, dass jeder Mensch eine göttliche Dimension in sich trägt, dass er bedingungslos geliebt ist und er sich nicht nur auf sich selbst verlassen muss. Ich fühle mich aufgehoben und behütet. So geht es mir persönlich mit dem Glauben. Diese Botschaft möchten wir den Schülerinnen und Schülern anbieten und sie ermuntern, das auszuprobieren. Glaube ist Geschenk, aber man kann ihn auch ein wenig einüben. Das Thema Schule ist permanent in den Medien. Wo liegt das Problem mit dem Schulsystem? Mir macht die Entwicklung zur Vereinheitlichung Sorge, wie sie sich z.B. in der Zen-tralmatura zeigt. Ich freue mich schon auf die 126 Erstklassler, die in wenigen Tagen zu uns kommen. An ihren großen Augen sieht man: Die sind gespannt, die wollen etwas von uns. Ich kann und will ihnen nicht sagen: Jetzt lernen wir vier oder acht Jahre, damit ihr dann einen Test besteht, der euch bescheinigt, dass ihr Durchschnitt seid. In einer Schule muss mehr passieren, als dass man die jungen Menschen dazu bringt, Standards zu entsprechen.