Die schwierige Suche nach Alternativen für den Zivildienst
Die Entscheidung der Bundesregierung, über die Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht eine „verbindliche“ Volksbefragung abzuhalten, betrifft auch den Zivildienst. Mit 13.500 Zivis wurde im vergangenen Jahr ein neuer Einsatzrekord erreicht.
Im Jahr 1975 wurde der Zivildienst als „Ersatzdienst“ für die Wehrpflicht eingeführt. Trotz der eingebauten Hürden – Gewissensprüfung und längere Dienstzeit – gewann er unter den jungen Männern rasch an Zuspruch. Teilweise gab es jahrelange Wartezeiten wegen mangelnder Zivildienststellen. Kirchliche Organisationen aus den Bereichen der Alten- und Behindertenarbeit, aus dem Sozialbereich (z. B. Wärmestube für Obdachlose) und der Jugendarbeit sind früh in den Zivildienst eingestiegen, auch, weil man jungen Leuten mit einer „sozialen Ader“ Erprobungsfelder anbieten wollte. Gute Einsatzplätze, so der Direktor der evangelischen Diakonie, Michael Chalupka, wurden für viele Zivildiener zum Einstieg für weitere ehrenamtliche Arbeit im sozialen Bereich. So etwa kommen die Hälfte der Ehrenamtlichen beim Johanniter-Rettungsdienst aus dem Kreis der Zivildiener. Ersatzlösungen. Mehr als ein Drittel aller Wehrpflichtigen hatte sich, trotz einer um drei Monate längeren Dienstzeit, für den Zivildienst entschieden. Auch deshalb brauche die Entscheidung, im Jänner 2013 über die Zukunft des Bundesheeres abstimmen zu lassen, dringend Parallel-Überlegungen in Bezug auf den Zivildienst. Das sagt Caritas-Präsident Franz Küberl. „Attraktive Lösungen“ für eine Nachfolge des heutigen Zivildienstes seien erforderlich, sollte die Wehrpflicht fallen. Denn eine ersatzlose Streichung „würde nicht nur eine massive Kerbe ins soziale System schlagen, sondern sie wäre auch eine Missachtung der sozialen Kapazitäten junger Menschen,“ betont der Caritas-Präsident. Er fordert „rasch tragfähige Ersatzlösungen“, da es um die Begleitung und Betreuung von Tausenden Menschen in Not gehe. Das Modell von Minister Hundstorfer für ein Soziales Jahr mit Kollektivvertrag-Mindestlohn (ca. 1200 Euro) halten Hilfsorganisationen für wenig ausgereift. Sie bezweifeln, dass man damit ausreichend Leute mit der entsprechenden sozialen Einstellung bekommt und dass der Staat bereit ist, die anfallenden Mehrkosten abzudecken. Die Verpflichtung zu einem „Sozialdienst für alle“ wäre menschenrechtlich nur in extremen Notfällen durchsetzbar und ist auch von der Sache her, so Diakoniedirektor Chalupka, wenig sinnvoll. Soziale Tätigkeiten brauchen ein hohes Maß an Motivation; fehle diese, sei das für alle Beteiligten nicht zumutbar.
Anderer Blick. Mit der Abschaffung von Wehr- und Zivildienst würde für viele junge Männer auch die Möglichkeit wegfallen, im Ausland einen Gedenk-, Friedens- oder Sozialdienst zu leisten. Dabei gehe es nicht nur um die Unterstützung von guten Projekten, sagt Reinhard Heiserer von Jugend Eine Welt, die mit 20 Zivilersatzdienern pro Jahr zu den größeren der 25 Trägerorganisationen für Auslandsdienste zählt. Er betont, dass die rückkehrenden jungen Leute einen „anderen Blick“ in unsere Gesellschaft einbringen.