„Gleich!“ – Die Antwort kommt prompt, die damit angekündigte Handlung lässt auf sich warten. Mitunter sehr lange.
Ein Patient erzählt, wie oft er im Spital die Auskunft bekam: „Gleich!“ Gleich kommt jemand, gleich werden Sie zur Untersuchung abgeholt, gleich werde man sich um ihn annehmen. Gleich heißt: Hab Gleichmut!
Mit dem kurzen Wörtchen „gleich“ halten sich viele die Konsequenz vom Leib, zu reagieren. „Gleich“ ist ein verlustreiches Wort der deutschen Sprache. Es hat seine Bedeutung verloren. Nicht verloren! Sie wurde ihm gestohlen. Unter den Augen so vieler werkeln die Diebe tagtäglich und überall. Bei ihren Raubzügen am Wortschatz haben sie das Wort ordentlich zerzaust. Wie übrigens andere Wörter auch, die sie von innen nach außen gestülpt haben, gewendet, ins Gegenteil verkehrt.
„Langsam“ zum Beispiel wurde auch bestohlen: Wem etwas langsam zu bunt wird, dem platzt gleich der Kragen. Ganz aus den sprachlichen Fugen ist aber „schön langsam“ geraten: „Schön langsam werd' ich narrisch“, sagte der Vater, dessen Sohn „gleich!“ rief, dann aber nicht tat, was sich der Vater wünschte. – Der Vater wurde weder schön narrisch, noch langsam.