Bioethik: Was vor der Geburt diagnostiziert werden darf, wird gleich im Pulk mit der Eizellenspende und Fremdbefruchtung außerhalb der Ehe diskutiert. Es sollten wohl möglichst viele Barrieren fallen.
Überraschung war es eigentlich keine: Denn seit der Aufstockung der Bioethikkommission war klar, wohin der Zug rollen sollte – in Richtung weniger ethische Schranken in der Fortpflanzungsmedizin. Das Überraschende an der neuen Stellungnahme war daher auch nicht, was die Mehrheit gesagt hat, sondern die Fülle der Themen, die sie angesprochen bzw. „beurteilt“ hat.
Barrieren in der Fortpflanzungsmedizin einreißen
Allein über die Zulassung von genetischen Untersuchungen an In-vitro-befruchteten Zellen, bevor sie eingesetzt werden (Präimplantationsdiagnostik), hat man in Deutschland auf verschiedenen Ebenen mehr als eineinhalb Jahre gerungen. Bei uns wird dieses ernsthafte Problem, weil es dabei um die Selektion von behindertem Leben geht, gleich im Pulk mit dem sozial und medizinisch äußerst heiklen Thema der Eizellenspende (Ausbeutung von armen Frauen!), der Leihmutterschaft sowie der Fremdbefruchtung außerhalb der Ehe für alleinstehende bzw. in lesbischen Beziehungen lebenden Frauen „serviert“. Wenn schon Barrieren im Fortpflanzungsmedizingesetz eingerissen werden sollen, dann offenbar möglichst viele.
Aufforderung nach Debatte klingt zynisch
Die Aufforderung, dass nun diese Fragen in einer breiten öffentlichen Debatte vertieft und politisch entscheidungsreif gemacht werden sollen, klingt schon ziemlich zynisch. Was soll dabei herauskommen, wenn schon die Kommissionsmitglieder nicht bereit bzw. in der Lage waren, aufeinander zu hören und in diesen zugegeben schwierigen ethischen Fragen um eine gemeinsam vertretbare Güterabwägung zu ringen. Ja – in manchen Fragen sind Kompromisse schwierig, aber es geht hier um Leben, um Menschenleben.