Die Pfarre Kirchschlag zählt 1150 Katholik/-innen. Davon haben mehr als 80 einen Schlüssel zum Pfarrzentrum. Die hervorragende Auslastung zeigt, wie sehr die Leute das Pfarrzentrum zu ihrem Haus gemacht haben.
Ausgabe: 2012/48, Schlüssel, St. Anna, Kirchschlag, Schlüsselfrage, Kaineder,
27.11.2012
- Josef Wallner
Die Entscheidung für den Bau eines neuen Pfarrzentrums war überlegt, aber dennoch gewagt, erzählt Ferdinand Kaineder, bis Frühjahr 2012 Pfarrgemeinderats-Obmann von Kirchschlag. Von dem zwei-Millionen-Euro-Projekt waren trotz des Beitrags von Diözese und Land OÖ immer noch 350.000 Euro von der Pfarre aufzubringen. Doch Ausgangspunkt für die Beratungen war nicht das Geld, sondern die Frage: „Wie können wir den Menschen in Kirchschlag dienen?“ „Wir dienen als Pfarre der Gemeinschaft, wenn wir Räume für das Leben schaffen“, war die Antwort des Pfarrgemeinderats. Vier Jahre ist nun das Pfarrzentrum St. Anna in Betrieb und im Haus ist immer etwas los. Von Anfang an kam zum Begriff „Dienen“ das Wort „gemeinsam“, betont Kaineder: „Gemeinsam schaffen, gemeinsam nutzen, gemeinsam verantworten. Denn das Pfarrzentrum gehört nicht dem Bischof, nicht der Diözese, auch nicht dem Pfarrer, sondern den Leuten.“ Das zeigt sich auch in der Vergabe der Schlüssel. Sie ist für Kaineder eine Schlüssel-Frage: „Wir haben – im übertragenen Sinn – einen barrierenfreien Zugang zum Pfarrzentrum geschaffen. Alle, die nur irgendwie dort tätig sind, sollen die Räume betreten können, ohne zuvor umständlich das Aufsperren organisieren zu müssen.“ Mehr als 80 Schlüssel sind in Kirchschlag unterwegs. Erklären, nicht Vorwürfe machen. Natürlich brennt die Frage auf der Zunge, wie das in der Praxis funktioniert. „Es hat noch nie etwas gegeben“, betont Kaineder, ohne die Situation zu verklären. Selbstverständlich herrschen unterschiedliche Auffassungen darüber, wann die Küche als zusammengeräumt gilt und wann nicht. Hier ist dann für Kaineder der Pfarrgemeinderat gefragt. Keine vorwurfsvolle, sondern einen erläuternde Kommunikation ist angebracht, die die Wertschätzung für das Engagement der jeweiligen Gruppe spüren lässt. Aber die Erfahrung bleibt: Wenn man den Leuten Verantwortung gibt, handeln sie auch verantwortlich. Nicht verschweigen möchte aber Kaineder, dass es trotz aller Absprachen gute Geister braucht. Die legen ohne viel Aufhebens Hand an und putzen fertig, wenn es notwendig ist. Keine Gemeinschaft kommt ohne diese meist stillen Menschen aus. Anregende Räume. Schlüsselträger tragen Leben ins Pfarrzentrum und schaffen Gemeinschaft – in Gemeinde und Pfarre, sagt die PGR-Obfrau Rosemarie Kaiser. Jene Gruppen, die im alten Pfarrheim beheimatet waren, fühlen sich im neuen sehr wohl. Gleichzeitig wurde Platz für Neues geschaffen. Die örtlichen Vereine nutzen das Zentrum mittlerweile ebenso wie die Volkshochschule. Dass in Kirchschlag mit rund 34 Jahren Durchschnittsalter einer der jüngsten Pfarrgemeinderäte der Diözese aktiv ist, hängt nicht ausschließlich am neuen Pfarrzentrum, aber mit dem Geist, der in St. Anna herrscht, hat es schon zu tun.
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