Franziska Payrhuber war 1961 die erste Entwicklungshelferin aus Oberösterreich. Bis heute sind diesem Ruf zur Entwicklungszusammenarbeit mehr als 400 Frauen und Männer aus Oberösterreich gefolgt.
Ausgabe: 2012/48, Entwicklungshelferin, Payrhuber, Buch, EZA, Politik, Landeshauptmann, Pühringer
27.11.2012
- Ernst Gansinger
Anlässlich „50 Jahre Entwicklungshilfe“ gab Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer das umfangreiche Werk in Auftrag. Zur Buch-Präsentation am 20. November sind viele Gäste aus Kirche, EZA-Organisationen und Politik in die Linzer Redoutensäle gekommen. Die Gespräche, die Moderatorin Christine Haiden mit neun „Ehemaligen“ führte, gaben Einblick in die Geschichte der Entwicklungshilfe. Wenn sich auch Methoden änderten, der Geist der Entwicklungs-Zusammenarbeit blieb unverändert. Er heißt Partnerschaft. Die Motivation zum Einsatz ist und war eine Mischung aus Pioniergeist, Fernweh, Neugier, Freude am kirchlichen Engagement und sozialem Gefühl – „das ist wahrscheinlich bei manchen Menschen ganz arg“, sagte Marianne Koppelstätter aus Weilbach im Gespräch mit Christine Haiden. Einsatz-Gedanken. 100 der mehr als 400 oö. „Entwicklungshelfer/innen“ schildern im Buch, warum sie sich zum Einsatz entschlossen und was sie erlebt haben. Sie schreiben von Freude und Sorge, von Hindernissen und nie enttäuschtem Gottvertrauen sowie davon, wie sie selbst beschenkt aus dem Einsatz zurückgekommen sind.
Erfolge. Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer wies gegen allen Pessimismus auf die Erfolge der Entwicklungszusammenarbeit hin: So ist in den letzten 50 Jahren die Lebenserwartung für neugeborene Kinder in den Entwicklungsländern um 20 Jahre gestiegen. Auch bei der Alphabetisierung gebe es Fortschritte. Freilich sei noch viel zu tun. Pühringer bekam demonstrativ Applaus für seine Forderung, dass die Republik Österreich mehr Geld für die Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung stellen müsse.
Buch über Mission könnte folgen. Am Buchende sind die Namen samt kurzen Steckbriefen von etwa 410 Oberösterreicher/-innen aufgelistet, die in einem von etwa 80 Ländern im EZA-Einsatz waren. Das Buch erhalten alle oö. Entwicklungshelfer/innen, jede Bibliothek, jede Schule (ausgenommen Volksschulen) und jede Pfarre gratis, sagte der Landeshauptmann. Er lud die Diözese ein, mit dem Land an einem weiteren Buch zu arbeiten. Es sollte den Priestern und Ordensleuten gewidmet sein, die aus Oberösterreich in die Mission gegangen sind. Bischof Schwarz erinnerte in seiner Begrüßungs-Ansprache daran, dass es in der Blütezeit 120 oö. Missionare und Missionarinnen gab. Oberösterreich, das Land der Entwicklungs-Pioniere Bischof Alois Wagner und Edi Ploier, sei ein besonderes Land, meinte HORIZONT-3000- Geschäftsführerin Mag. Gabriele Tebbich.
Vorurteile
„Gastarbeiter schicken unser Geld in ihre Heimat“. – Mit diesem und weiteren 51 Vorurteilen, die Medien und Stammtische nähren, räumtadas „Handbuch gegen Vorurteile“ auf. Einer der beiden Autoren – Sebastian Wiese – stellte es am 21. November in Linz in den Räumen des Vereins Begegnung arcobaleno vor. Zum oben erwähnten Vorurteil leuchtet das Handbuch zunächst die Hintergründe aus, warum Menschen aus der Türkei vor 50, 40 Jahren zu uns arbeiten gekommen sind (schlechte Einkommens- und Arbeitsmöglichkeiten in der Türkei). Bei uns wollten sie durch viel Arbeit möglichst rasch das Geld verdienen, um sich zu Hause ein besseres Leben aufbauen zu können. Sie spar(t)en viel. Die Durchschnitts-Österreicher/innen spar(t)en weniger. Zumindest die Hälfte des verdienten Geldes geben Migrant/-innen in Österreich aus (Miete, Konsum, Steuern). Vor allem ist das Geld aber nicht „unser Geld“, sondern verdientes Geld. Handbuch gegen Vorurteile, Nina Horaczek, Sebastian Wiese, Czernin Verlag, Wien.