Vom Dach bis zum Fußboden findet sich kein Holzbalken. Der „Hoisnbauer“ Karl Wurm hat eine Kapelle durch und durch aus Granitsteinen gebaut. Das kleine Gotteshaus ist ein herausragendes Werk der Volkskultur vom Ende des 19. Jahrhunderts.
Lange war sie kaum bekannt, jetzt wird sie gern besucht: die Hoisnkapelle in der kleinen Ortschaft Wienau (Pfarre Weitersfelden). Ebenso beeindruckend wie das Kirchlein ist sein Erbauer. Karl Wurm (1844 bis 1909) hat mit seinen beiden Brüdern das Gebäude von Grund auf selbst errichtet: Er schlief oft nur einige wenige Stunden auf der Ofenbank, um neben der Bauernarbeit Granitsteine zu brechen, sie zur Baustelle zu schleppen und zu verarbeiten. Besonders beeindruckend sind die tonnenschweren Platten, die das – wasserdichte – Dach bilden, und die mächtige Steinkugel auf der Turmspitze. Die Atmosphäre des Innenraums mit seinen 20 Sitzplätzen für die Dorfgemeinschaft wird von der granitenen Decke geprägt – dem steinernen Himmel des Hoisnbauern. Archaische Steinköpfe. An der Stirnwand und an der Rückwand finden sich zwölf granitene Quader, auf denen Menschenantlitze zu sehen sind. Die maskenhaften Reliefs sind als die zwölf Apostel zu deuten und ebenso ein Werk des Hoisnbauern wie auch die Verzierungen der Säulen beim Turmvorbau und der Türeinfassung. Für die – sehr feine – Bearbeitung verwendete er den Handmeißel. Die Motive wie Kleeblätter, Runen und Herz – Symbole für Glück, Leben und Glaube – erinnern an Kerbschnitte.