Mit den Sommerferien beginnt auch wieder die Hauptsaison des „Bauordens“. Er vermittelt an – vorwiegend junge – Leute Arbeitseinsätze von Dänemark bis Mazedonien, von Litauen bis Sizilien und Marokko. In meist international zusammengesetzten Gruppen arbeiten sie zwei bis drei Wochen dabei mit, Häuser oder Freizeitanlagen für soziale oder kirchliche Einrichtungen aufzubauen oder zu renovieren.
Angesteckt
Bernadette Waldherr packt heuer schon zum fünften Mal ihren Rucksack, um an einem „Baulager“ teilzunehmen. Ein Lehrer an der HTL-Mödling habe ihnen von seinem eigenen Baueinsatz in Rumänien so begeistert erzählt, dass „ich mich nach der Matura entschloss, so etwas zu probieren“, erzählt sie. Mit einer Kollegin aus Österreich machte sie sich dann auf die Reise nach Sizilien, wo sie mit einer Gruppe Jugendlicher aus mehreren Ländern mithalf, einen alten Bauernhof zu renovieren. Dort sollte ein Haus für alleinerziehende arbeitslose Mütter entstehen. Die Erfahrungen waren „so toll“, dass sie seither jedes Jahr in den Sommer- oder Osterferien zu einem neuen Einsatz aufgebrochen ist. In Dänemark hat sie bei der Wiederherstellung eines alten Klostergartens mitgeholfen, in Rumänien beim Bau eines Mehllagers für eine Caritas-Bäckerei und in Mazedonien bei der Errichtung eines Spielplatzes für Kinder und Jugendliche.
Arbeit und Spaß
Ein „Baulager“ ist für Bernadette fast so etwas wie ein Urlaub. „Natürlich“, so sagt sie, „wird schon erwartet, dass man kräftig zupackt. Das kann manchmal ganz schön anstrengend sein. Aber dafür sieht man auch, was man in der kurzen Zeit geschaffen hat. Und meistens“, so erzählt sie, „macht es in der international zusammengewürfelten Gruppe auch viel Spaß, miteinander zu arbeiten und gemeinsam die Freizeit zu verbringen und das Land zu entdecken.“
Brücken bauen
Etwas zu schaffen – oftmals auch gemeinsam mit den Leuten vor Ort –, das anderen Menschen dient, sei für sie ein Beweggrund, an Bauorden-Einsätzen teilzunehmen, sagt die Studentin der Landschaftsgestaltung (BOKU). „Aber fast noch mehr zählt für mich, dass ich dabei ein Land und die Menschen dort auf eine Weise kennenlernen kann, wie das bei einer normalen Ferienreise nie möglich wäre. Die Arbeit selber“, meint sie bescheiden, „könnten die Leute vor Ort meist auch selber machen, wenn man ihnen dafür etwas Geld zur Verfügung stellt. Aber es geht bei diesen Einsätzen auch darum Brücken von Mensch zu Mensch zu bauen.“ Begeistert erzählt sie von ihrem Einsatz in Mazedonien. „Ursprünglich hieß es, wir sollten dort einen Freizeitpark gestalten, aber dann haben wir die ganze Zeit nur betoniert. Anfangs waren wir darüber schon etwas angefressen, weil wir uns etwas ganz anderes erwartet hatten. Aber das hat sich schnell gelegt, denn die Familien, wo wir untergebracht waren, die haben uns einfach ganz toll aufgenommen. Und schon nach kurzer Zeit haben Kinder und Jugendliche aus den Familien mit uns gearbeitet. So sind wir einander sehr nahe gekommen.“ Noch heute, so Bernadette Waldherr, denke sie oft berührt daran, wie ihnen die Leute mehrmals gesagt haben: „Es ist schön, dass ihr da seid, es zeigt uns, dass sich jemand für uns interessiert, dass wir in Europa nicht vergessen sind.“ Dass sie für ihre Einsätze die Fahrkosten und einen kleinen Unkostenbeitrag selber zahlen muss, stört Waldherr nicht. „Ich nehm da jedes Mal viel mehr mit als ich hergebe.“
- Der Bauorden sucht heuer für zahlreiche Sommereinsätze noch Freiwillige. Alle Infos dazu unter: www.bauorden.at; Tel. 01/774 95 12.