Das Severin-Tor der Basilika St. Laurenz in Enns zeigt Szenen aus dem Leben des Heiligen. Gestaltet wurde es 1971 von Peter Dimmel. Der KiZ erzählt der gehörlose Künstler, warum das Tor seine beste Arbeit ist.
Ausgabe: 2013/01, Severin-Tor, Basilika, Peter Dimmel, Broneztor, Metallkunst
03.01.2013
- Christine Grüll
Severin steht, die Hand schützend erhoben, vor dem römischen Lager Lauriacum. Zu seinen Füßen bearbeitet das Volk den Ackerboden. Severin hatte im 5. Jahrhundert mit Gottesglauben und diplomatischem Geschick die Bevölkerung der Provinz Ufernoricum davor bewahrt, von den feindlichen Germanen überrannt zu werden. Auf dem Gelände des ehemaligen Römerlagers wurde die Basilika St. Laurenz errichtet. Ihr bronzeglänzendes Tor hält die Erinnerung an den Heiligen wach – in leicht verständlichen Bildern.
Wer nicht hören kann ... „Kunst darf nicht abstrakt sein, sie muss volksnahe sein“, meint Peter Dimmel. Verständlich zu sein ist dem gehörlosen Künstler ein großes Anliegen. Als sich die Männer der Prüfungskommission der Diözese Linz 1971 vor der Skizze seines Tores berieten, konnte Peter Dimmel ihre Worte nicht hören. Ein Dolmetscher für Gehörlose war damals nicht üblich. Nur sein Freund und Auftraggeber Prälat Eberhard Marckhgott, Pfarrer von Enns-Lorch, konnte der Kommission auseinandersetzen, was Peter Dimmel mit künstlerischen Mitteln ausdrücken wollte.
„Meine Kunst ist meine Sprache.“ „Die Bilder müssen für sich selbst sprechen, denn ich kann mich nicht über meine Arbeit austauschen“, sagt der Bildhauer, der im vergangenen Jahr vom Papst ausgezeichnet wurde. Das Severin-Tor war (und das Florian-Tor in der Basilika) waren nach einem Auftrag für die Pfarrkirche Linz-St. Konrad seine zweite Arbeit für die Diözese. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat er das Bild zahlreicher Kirchen in Oberösterreich geprägt. Altäre, Kreuzwege und Tore sind Ausdruck einer Welt des Übersetzens, in der sich Peter Dimmel bewegt. So wie Luther die lateinische Bibel ins Deutsche übersetzt habe, so wolle er biblische und historische Ereignisse durch Bilder fassbar machen, meint der Künstler, und wird seinerseits übersetzt: Eine Gebärdendolmetscherin macht es möglich, mit ihm über seine Arbeit zu sprechen.
Der Kunst ihre Freiheit. Eines der bronzenen Reliefs zeigt, wie Severin mithilfe des Bischofs von Lauriacum einen Überfall auf das Lager abwehrt. Dass das Leben des Heiligen historisch belegt ist, hat Peter Dimmel die Arbeit erleichtert. „Das Tor ist mein bestes Werk. Ich habe es spontan gemacht, ohne dass jemand Einfluss nehmen wollte“, nennt er einen weiteren Grund. Andere geistliche Auftraggeber hingegen mischten sich in den künstlerischen Prozess ein und hinterließen in Professor Dimmel eine Sorge: dass seine Werke vergebens waren, weil sie zwar von der Bevölkerung, aber nicht von manchen Geistlichen verstanden würden.
Ausstellungen. Im August 2013 wird Peter Dimmel 85 und schon jetzt gibt es einiges zu feiern. Seine Biografie ist in Druck. Sie wird am 7. März im Volkskundehaus in Ried im Innkreis präsentiert, im Rahmen einer ihm gewidmeten Ausstellung. Die Ausstellung „Christliche Metallkunst in OÖ“ in der Basilika St. Laurenz ab der Karwoche bindet auch das Severin-Tor mit ein. Es erinnert nicht nur an den Heiligen. Es ist auch das kraftvolle Symbol einer Zeit vor 50 Jahren, als die Kirche zu Neuem aufgebrochen ist.