09.05.2017

Kultur

Die beste Orgel der Welt

„Sie gibt mir viel zurück“ – Wenn Wolfgang Kreuzhuber von seiner Rudigierorgel spricht, dann erinnert das an eine langjährige Beziehung. Zu seinem 60. Geburtstag gibt der Domorganist und fünfte Nachfolger von Anton Bruckner ein Geburtstagskonzert im Mariendom.

Wolfgang Kreuzhuber an der Rudigierorgel. Die Begeisterung für das Orgelspiel wurde in seiner Heimatpfarre Hohenzell geweckt. Er erhielt Orgelunterricht in Ried im Innkreis, dann in Linz am Bruckner-Konservatorium. Anschließend studierte er Musikpädagogik und Orgel bei Anton Heiller und Michael Radulescu. Seine Liebe gilt dem Spielen, Improvisieren, Arrangieren und Komponieren. Er ist Leiter der Orgelforschung an der Uni Wien und Direktor des Konservatoriums für Kirchenmusik der Diözese Linz.

Die Rudigierorgel im Mariendom gilt als eine der besten Orgeln in Österreich. Seit 1982 sind Sie Dom­organist. Was zeichnet die Rudigierorgel aus?
Wolfgang Kreuzhuber: Die Gebrüder Kronsteiner wollten damals die „beste Orgel der Welt“ in Linz erbauen. Das Land Oberösterreich, die Diözese Linz und viele Gläubige haben vor mehr als 50 Jahren für die Rudigierorgel gesammelt und gespendet. Hinsichtlich ihrer Qualität und Gestaltung gilt sie heute als Meilenstein in der Orgelbaugeschichte Oberösterreichs. Inzwischen führen wir – die Orgel und ich – eine 35-jährige Beziehung. Wir sind irgendwie zusammengewachsen. Sie gibt mir viel zurück. Die Rudigierorgel ist nicht nur in meinen Augen formvollendet, nahezu perfekt. Sie ist ein Schatz, den manche erst entdecken müssen. 

Wie sind Sie zum Orgelspiel gekommen? Warum sind Sie drangeblieben? 
Kreuzhuber:  Ich bin in einer musikalischen Familie aufgewachsen und war schon als Kind von der Orgel fasziniert. Ich wollte dieses Instrument unbedingt lernen! Meinen ersten Unterricht hatte ich bei Prof. Werndl in Ried, anschließend unterrichtete mich August Humer am Bruckner-Konservatorium. Und an der Wiener Musikhochschule studierte ich bei Anton Heiller. Die Begeisterung für die Orgel hat mich nie losgelassen: Der Fülle an Klangfarben, dem Reichtum für alle Sinne kann man sich nicht mehr entziehen. Im Gottesdienst ist die Orgel eingebunden, Orgelkonzerte sind ein Nischenprodukt. Die Frage ist: Wie weit komme ich dem Publikum entgegen? – Zum 60. Geburtstag gebe ich nun ein Geburtstagskonzert mit anderen musikalischen Geburtstagskindern wie Guy Bovet oder Peter Planyavsky, zu dem ich herzlich einlade. Der Erlös wird für ein Sozialprojekt gespendet. 

Die Kunst der Improvisation verbindet Sie mit Ihrem Vorgänger Anton Bruckner. Was ist das Besondere am Improvisieren? 
Kreuzhuber: Die Kunst der Improvisation war eine große Stärke von Anton Bruckner. Mit ihr lassen sich normale Grenzen sprengen. Wobei Improvisation nicht bedeutet, einfach zur spielen, was einem gerade so einfällt. Improvisieren kann man mit dem Halten einer Rede vergleichen: Man weiß, worüber man spricht, hat dies aber nicht ausformuliert. Improvisieren will gelernt und geübt sein, deshalb biete ich dazu eigene Seminare an. Und auch wenn man die Kunst erlernen kann, ist dennoch die ­Spon­tanität das Spannende.

 

Linzer Orgelfrühling

Im Rahmen des Linzer Orgelfrühlings findet am Do., 18. Mai das Konzert „Geburtstagskinder“ mit Wolfgang Kreuzhuber statt, Beginn: 20 Uhr im Mariendom.
Am Sa., 10. Juni folgt der Raumklang mit Blasmusik mit: Wolfgang Kreuzhuber, Heinrich Reknagel, Musikverein Geboltskirchen.
Für beide Konzerte verlosen wir jeweils 2 x 2 Karten.
Schreiben Sie an: gewinnen@kirchenzeitung.at oder
KirchenZeitung, Orgelfrühling, Kapuzinerstr. 84, 4020 Linz. 

 

 

Bildquelle: Winkler

Autor/in:  Das Gespräch führte Elisabeth Leitner

Keywords: 19/2017

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