BRIEF_KASTEN
Eigentlich könnte man. Sollte man. Müsste man. Eigentlich hätte man es ja wissen können.
Nur zu gerne bleiben wir Menschen bei unseren Gewohnheiten: wie man es schon immer gemacht hat, auch wenn es „eigentlich“ anders richtiger wäre. Eigentlich sollte ich mehr Bewegung machen. Eigentlich müsste man dort und da etwas richten. Eigentlich sollte man diese Leute unterstützen. Und eigentlich hätte man dann und wann auch etwas sagen können. Müssen sogar. Man hat ja gesehen, wie unrecht das war. Aber man hat sich dann doch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen wollen. Man will es sich halt auch mit niemandem verderben. Immer gibt es dieses „Aber“, das dann doch lieber alles im „Eigentlich“ lässt.
Jetzt wird Weihnachten – und das hat viel damit zu tun, nämlich: das Eigentlich-Mögliche ins Wirkliche zu führen. Menschwerdung feiern die Christinnen und Christen – und zwar so, wie Gott es den Menschen zeigt. Nicht: Eigentlich hätte er Mensch werden können, sondern: Wirklich ist er Mensch geworden. „Er hat unter uns gewohnt“, beten die Menschen in ihren Glaubensbekenntnissen. Wirklich und nicht bloß eigentlich.
Menschwerdung bedeutet auch heute: Was man in seinem Wissen und Gewissen, in seinem Spüren und Ahnen erkannt hat, ins Wirkliche – ins Wirken – zu führen.
Die Worte im Gleichnis vom Gericht über die Völker sind klar: „Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben“ – oder eben nicht. Er sagt nicht: „Eigentlich hättet ihr mir eh geben wollen.“
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