BRIEF_KASTEN
Lange hat man daran gearbeitet – und es war eine gute Sache. Ein „gesundes Selbstbewusstsein“ sollten Menschen entwickeln – und dieses genauso wichtig nehmen, wie ihnen ihre leibliche Gesundheit wertvoll ist.
Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen sollten dies als ein wichtiges Ziel sehen. Auch seelisch sollten Menschen auf eigenen Beinen im Leben stehen. Der „Freiwilligkeit“ wurde große Bedeutung beigemessen. Und sie hat sie auch.
Jetzt leben wir schon ziemlich lange in diesem „Zeitgeist“ – und immer deutlicher zeigt sich: Etwas Wichtiges ist aus dem Blick gerückt. Wenn das Interesse und der Wille ausschließlich auf das eigene Ich ausgerichtet sind – dieses zur unbedingten Vorrangregel im Leben geworden ist –, geht das Gespür für Gemeinschaft verloren.
Man müsste sich nur intensiv genug selbst wahrnehmen, um zu entdecken, wie sehr man mit anderen Menschen verbunden ist. Wohl und Wehe der Menschen hängen daran.
Es ist also Zeit, das „Wir-Bewusstsein“ als eine besondere menschliche Fähigkeit viel stärker ins Licht zu rücken – die Tatsache nämlich, dass ein Mensch nicht nur hinsichtlich seiner Geburt sein Leben anderen Menschen verdankt. Sein ganzes Leben lang bleibt er mit anderen verwoben.
Die Frage, was mir gut tut, ist immer nur die halbe Frage. Ebenso wichtig ist, was für andere gut ist. Es ist auch die Frage nach dem Notwendigen.
Sich in den Dienst einer gemeinsamen Sache zu stellen, ist keine Schwäche. Da braucht es Selbstbewusstsein, das fähig ist, über sich selbst hinauszuwachsen.
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