BRIEF_KASTEN
Es muss eigentlich nicht wiederholt werden, dass es in Katar erhebliche Menschenrechtsverletzungen gibt, dass tausende ausländischer Beschäftigter gestorben sind, seit das Land den Zuschlag zur Austragung der Fußball-WM erhielt. Es muss nicht extra gesagt werden, dass es pervers ist, im Advent in heruntergekühlten Stadien in der arabischen Wüste Fußball zu spielen – und das ganze noch nach Europa zu übertragen.
Kurz gesagt: Wir alle wissen, dass diese WM eine hochmütige realitätsferne Selbstüberschätzung ist.
Die Frage ist: Darf man sich die Spiele im Fernsehen dennoch ansehen? Das muss letztlich jeder mit sich selbst ausmachen.
Ein Fehler wäre es sicher, Menschen, die sich die Spiele aus sportlichem Interesse ansehen, selbstgerecht zu verurteilen. Haben wir nicht auch schon mal Kleidung aus Billiglohnländern gekauft, ohne uns über die Arbeitsumstände dort zu informieren? Haben wir uns nicht auch schon mal Himbeeren oder Ähnliches im Jänner geleistet? Haben wir immer dann, wenn es möglich war, auf das Auto verzichtet? Eben!
Eine Überlegung für die Sportbegeisterten sei aber doch erlaubt: Man kann sich Fußball nämlich auch in Österreich ansehen, vorzugsweise ab dem Frühjahr am Fußballplatz um die Ecke und am besten die Spiele des Nachwuchses. Da köpfelt zwar kein Superstar, aber das Nachbarsmädchen und der Nachbarsbub, die man kennt.
BRIEF_KASTEN
Jetzt die KIRCHENZEITUNG 4 Wochen lang kostenlos kennen lernen. Abo endet automatisch. >>