BRIEF_KASTEN
„Ich glaube, dass es in diese Richtung gehen wird“, sagte Erzbischof Georg Gänswein, als er nach einer baldigen Selig- und Heiligsprechung für seinen verstorbenen Chef Benedikt XVI. gefragt wurde.
Mittlerweile haben so manche Theolog:innen und Bischöfe klargemacht: „Santo subito“ („sofort heilig“) wäre ein Fehler. Die Warnungen sind berechtigt. Das Beispiel Johannes Pauls II. steht im Raum: Die dunklen Seiten seines Pontifikats (z. B. die unselige Verbindung zu dem Missbrauchstäter Marcial Maciel Degollado) passen nicht zu einem Heiligen.
Man sollte sich nichts vormachen: In nicht wenigen Fällen haben Selig- und Heiligsprechungen schlicht kirchenpolitische Aspekte. Mit der Heiligsprechung von Johannes XXIII. werden die Konzilsbegeisterten bedient, mit jener von Johannes Paul II. die andere Seite.
Nicht zuletzt sind solche Akte der Versuch, sich vor Kritik zu schützen: Einen Heiligen patzt man nicht an, oder?
Apropos anpatzen: Georg Gänswein hat für diese Woche ein Enthüllungsbuch angekündigt und Papst Franziskus vorgeworfen, ihn gedemütigt zu haben. Zu befürchten ist, dass der Machtkampf im Vatikan hässlich weitergeht – ob mit oder ohne „santo subito“.
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