BRIEF_KASTEN
Ich bin nicht mehr der Jüngste. Dennoch gibt es manches, das ich immer noch nicht weiß: zum Beispiel die Antwort auf die Frage, warum ich den Namen Reinhold trage. Ich denke darüber nach und weiß es nicht. Vielleicht ist das ein guter Anlass, wieder einmal meine Eltern zu fragen. Warum habt ihr euch entschieden, mir diesen Namen zu geben?
Dieses Nebulose zu meiner Namensgebung bringt mir meinen Namensheiligen, den heiligen Reinhold, etwas näher. Denn über ihn weiß man so gut wie nichts. Ihn umrankt nur Legendenhaftes. Er sei Mönch gewesen in Köln und beim Bau einer Kirche von Mitarbeiter:innen erschlagen worden. War er zu fleißig, war er zu fromm? Zur Stunde der Ermordung hätten alle Glocken von Köln geläutet heißt es.
Er ist Patron der Maurer und Steinmetze. Da ich im oberen Mühlviertel auf einem Bauernhof aufgewachsen bin, war mir die mühsame Arbeit mit Ziegeln und Steinen sehr vertraut. Dieses „Steineklauben“ auf den Äckern im Frühjahr vor der Aussaat, Jahr für Jahr, ist mir in bleibender Erinnerung und auch manches Kreuzweh. In unmittelbarer Nähe gab es auch einen Steinbruch.
Es ist gut zu wissen, dass Reinhold auf die Arbeiter:innen schützend geschaut hat, so wie ich vom Fenster meines Kinderzimmers aus in Richtung Steinbruch geblickt habe.
Der Heilige wird mit Bibel, Maurerkelle oder Steinmetzhammer dargestellt. Ich bin dankbar, dass ich diesen Namen trage.
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