BRIEF_KASTEN
Schutt und Asche. Jedes dritte Haus im nordwestsyrischen Idlib zerlegte der Bürgerkrieg in seine Einzelteile. Die Bilder sind frisch, noch Anfang März tobten die Kämpfe, zwischen deren Fronten die Zivilbevölkerung aufgerieben wurde. Es wäre fair, wenn das Coronavirus einen großen Bogen um den Landstrich machen würde. Tut es aber nicht. Für Rückzug in die eigenen vier Wände fehlt denen, die nicht in die türkischen oder heillos überfüllten griechischen Lager fliehen konnten, schlicht das Dach. In den desolaten Wohnungen leben oft mehrere Familien auf engstem Raum. Syrien blickt zurück auf neun Jahre Bürgerkrieg mit internationaler Beteiligung. In Ostafrika blickt man womöglich in eine Zukunft der gigantischen Hungersnot. Milliarden Heuschrecken wachsen heran und bedrohen die Ernährung von 20 Millionen Menschen. Im Kongo starb am Karfreitag ein 26-Jähriger höchstwahrscheinlich an Ebola – die gefährliche Krankheit flammt immer wieder auf. Dem Coronavirus steht der afrikanische Kontinent so gut wie schutzlos gegenüber. Chaos in Indien, Hilflosigkeit in Lateinamerika. In Europa hat das Coronavirus eine kollektive Nebenwirkung: Kurzsichtigkeit. Über die Staatsgrenzen hinaus blinzelt man zur Sicherheit nur.
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