BRIEF_KASTEN
Jeden Herbst dreht sich das Rad der Gehaltsverhandlungen. Um jedes Zehntelprozent wird – als gäbe es dafür ein geheimes Drehbuch – gefeilscht.
Aber: Ist es wirklich so selbstverständlich, dass jede Belastung abgegolten und ausgeglichen werden muss? Gibt es dieses Recht auf Wohlstandserhalt?
Eigentlich müsste bei jeder Verhandlung eine dritte Seite miteinbezogen werden – als Anwältin derer, die sich in dreißig, fünfzig und hundert Jahren um das Wohl der Menschen kümmern sollen. Es sind weder die Unternehmen noch die Staaten, es ist vielmehr die Erde selbst, die über das Maß des Wohlstands bestimmt. Das Hauptproblem ist kein finanzielles, sondern die Frage, wie viel Konsum der Erde zuträglich ist. Wo immer noch nur die Forderung nach Mehr für selbstverständlich gehalten wird, hat die Zukunft einer lebensfreundlichen Erde schlechte Karten.
Die für die Zukunft entscheidenden Fragen gilt es, in die Gegenwart zu bringen. Wie schafft man Gerechtigkeit unter bescheideneren Verhältnissen? Nicht nur die Ansprüche und Rechte, sondern auch die „Zumutungen“ müssen benannt werden – nicht nur, was Leuten zusteht, sondern auch, was man von ihnen erwarten kann. Die eigentliche Kunst liegt in der Fähigkeit, mit weniger auszukommen. Gelingt es nicht, so werden die jetzt lebenden Generationen zu Dieben ihrer eigenen Kinder.
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