BRIEF_KASTEN
Eva – dieser Name ruft sich leicht, kommt schnell über die Lippen und bedeutet „Leben“ – all das mag ich an meinem Namen. Hinzu kommt der ideale Zeitpunkt des Namenstages: der 24. Dezember.
Ich durfte mir, wie es in meiner Familie üblich war, am Namenstag das Essen aussuchen. So kam es, dass ich als einzige Vegetarierin in der Familie Jahr für Jahr das Essen an Heiligabend aussuchen durfte. Diese Tradition hält bis heute an, alle Jahre wieder werden panierter Karfiol mit Erdäpfeln und Reis liebevoll in meinem Elternhaus zubereitet.
Abgesehen von den Glücksmomenten, die mir der Name Eva beschert, gibt es die weniger schönen Assoziationen. Besonders kirchengeschichtlich wird die Figur der Eva gerne mit der sündigen Frau, die sich allzu leicht verführen lässt, in Verbindung gebracht.
Sie wird zum schwachen Geschlecht stilisiert, weil sie nicht „stark“ genug ist, um der Versuchung zu widerstehen, vom Baum der Erkenntnis zu naschen. Entspricht nicht gerade diese Neugierde, dieser Mut, sich auch zu widersetzen dem Wortursprung „Leben“? Ich meine Ja.
Dennoch bin ich froh, dass mich meine Eltern auch Maria getauft haben. Ich trage die Ambivalenz und gleichzeitig die Vielfalt der kirchlichen Weiblichkeitsstereotype in einem Namen. In Italien stelle ich mich nur noch mit Eva-Maria vor, weil ich bei Eva schon so manch verwunderten bis bösen Blick geerntet habe.
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