BRIEF_KASTEN
Im Paradies wissen wahrscheinlich alle von allen alles, und sie haben einander trotzdem gern oder gerade deshalb. So genau wissen wir das nicht. Denn wir haben es noch nicht ausprobiert. Die eine Wahrheit denken und die andere sagen, das hat leider auch katholische Tradition.
Zu sagen, was man denkt, ist zwar befreiend, aber es ist auch gefährlich. Märtyrer oder Märtyrerinnen sagen, was sie denken, und dann ist es vorbei mit ihnen.
Bei den Politik-ORF-Presse-und-so-weiter-Chats, die wir jüngst wieder staunend zu Gesicht bekommen, ist es kein bewusstes Martyrium – niemand legt die Inhalte freiwillig offen. Wenn sie trotzdem bekannt werden, ist es meist auch vorbei mit der Karriere der Verfasser. Übrigens haben die karriere-relevanten Chats (sie können zuerst Aufstieg und dann Abstieg bewirken) kaum Verfasserinnen. Zwar chatten („tratschen“) Frauen angeblich besonders gern. Das entpuppt sich aber als Mythos, der sich lange erfolgreich gehalten hat.
Veröffentlichte Chatprotokolle sind das moderne Fegefeuer. Sie schmerzen, sie reinigen – und hoffentlich läutern sie auch. Transparenz ist der Weg zum Paradies. Es ist ein hartes Pflaster, aber es führt kein Weg daran vorbei.
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