BRIEF_KASTEN
Die evangelische Diakonie hat am Montag angesichts der angespannten Flüchtlingssituation die Evakuierung überfüllter Flüchtlingscamps auf den griechischen Inseln gefordert. Besonders vulnerable Menschen wie unbegleitete Minderjährige und Frauen beziehungsweise Familien mit Kindern müssten sofort evakuiert werden, erklärte Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser in einer Pressemitteilung. Andere europäische Länder sollten sich mit Griechenland solidarisch zeigen und Menschen aus den Lagern aufnehmen. Dies sei im Rahmen der Dublin-Vereinbarung "problemlos möglich", so Moser. Es gehe um Menschen, die vor Krieg und Gewalt fliehen, hob die Diakonie-Direktorin hervor. Diese dürften nicht "Spielball der Politik" werden.
Für Flüchtlinge in der Türkei, wo sich aktuell 3,6 Millionen Geflüchtete befinden und weitere aufgrund der Kriegshandlungen rund um Idlib ankommen werden, seien die Einrichtung humanitärer Korridore und die Durchführung von Resettlementprogrammen "ein Gebot der Stunde", betonte Moser. Zudem müssten Mittel aus dem Auslandskatastrophenfonds (AKF) freigemacht werden, um "der humanitären Katastrophe durch Hilfe vor Ort auf allen Seiten der Grenzen", also in Griechenland ebenso wie in der Türkei, in Syrien und in seinen anderen Nachbarländern, zu begegnen.
Caritas-Appell für rasche Hilfe vor Ort
Zuletzt forderte bereits die Caritas Österreich einen humanitären Aktionsplan für Syrien. "Österreich und die internationale Staatengemeinschaft sollten den Fehler aus dem Jahr 2015 nicht wiederholen und rasch effektive Hilfe für geflüchtete Menschen in und um Syrien, aber auch in Griechenland und in den unterschiedlichen Ländern des Balkans sicherstellen", hatte Caritas-Auslandshilfechef Andreas Knapp am Freitag festgehalten.
Die fehlenden Mittel für das "World Food Programme" der Vereinten Nationen seien vor fünf Jahren ein maßgeblicher Grund für die große Fluchtbewegung gewesen, erinnerte Knapp. Es gelte nun sicherzustellen, dass sich die damalige humanitäre Tragödie nicht wiederhole, so Knapp: "Allerdings häufen sich die Anzeichen, dass genau dies wieder geschehen könnte."
Dementsprechend appelliert die Caritas an die EU-Staaten ihre "Hilfe vor Ort" deutlich zu verstärken. "Auch ein kleines Land wie Österreich kann hier einen wichtigen Beitrag leisten und etwa die Mittel des Auslandskatastrophenfonds weiter erhöhen", sagte Knapp. Länder rund um Syrien würden heute die meisten Flüchtlinge aufnehmen: "Durch Resettlementprogramme können wir diese Länder bei der Aufnahme unterstützen und besonders vulnerablen Flüchtlingen wie Kindern eine Lebensperspektive bieten."
Laut Caritas sind allein im Nordwesten Syriens seit Anfang Dezember 900.000 Menschen auf der Flucht - die meisten von ihnen sind Frauen und Kinder. Die Zahlen zeigten, dass deutlich mehr Hilfe nötig ist, auch um die ganz grundlegende Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser und Hygieneprodukten sicherzustellen, so Auslandshilfe-Chef Knapp: "Das gilt in und um Syrien. Es gilt aber genauso auch entlang der Länder des Balkans und in Griechenland, wo teils drastische Zustände herrschen." (Caritas-Spendenkonto: Erste Bank; AT23 2011 1000 0123 4560; Spendenzweck: Flüchtlingshilfe)
BRIEF_KASTEN
Jetzt die KIRCHENZEITUNG 4 Wochen lang kostenlos kennen lernen. Abo endet automatisch. >>