In der Reihe Kunst & Geschichte_n stellt Experte Lothar Schultes Persönlichkeiten vor, die in Kunst und Geschichte wichtige Spuren in Oberösterreich hinterlassen haben.
Die abschlossene Reihe "alt & kostbar" finden sie hier.
Dank zweier Mönche des Klosters St. Emmeram in Regensburg wissen wir über den heiligen Wolfgang erstaunlich viel. Geboren in Nordschwaben, kam er zehnjährig an die berühmte Klosterschule auf der Insel Reichenau im Bodensee. Nach dem Studium in Würzburg übernahm er die Leitung der Domschule und des Domkapitels in Trier.
Die angebotene Weihe zum Bischof lehnte er jedoch ab. Stattdessen trat er 964 in die junge, streng geführte Abtei Einsiedeln (Schweiz) ein, wo er ebenfalls die Klosterschule leitete. Hier lernte er Bischof Ulrich von Augsburg kennen, der ihn zum Priester weihte. Von einer Missionsreise nach Ungarn holte ihn Bischof Pilgrim von Passau zurück und empfahl ihn als Bischof von Regensburg. Entsprechend den damaligen Gepflogenheiten erfolgte die Einsetzung (Investitur) 972 nicht durch den Papst, sondern durch Otto II., den Mitregenten Kaiser Ottos I. Unter Bischof Wolfgang wurde St. Emmeran in Regensburg ein Zentrum der Klosterreform. 973 stimmte er der Gründung des Bistums Prag zu, dessen Gebiet bis dahin Teil seiner Diözese war.
Als Regensburg 976 zum Schauplatz eines Krieges zwischen Herzog Heinrich II. von Bayern (dem Zänker) und dessen Cousin Otto II. wurde, zog sich Wolfgang in sein Eigenkloster Mondsee zurück. Im selben Jahr erhielt er vom Kaiser den Ort Wieselburg in Niederösterreich, wo sich in der Kirche ein achteckiger, wohl unter Wolfgang errichteter Zentralbau erhalten hat. Als Gefolgsmann Ottos II. hatte er auch an dessen Kriegen teilzunehmen, so auch an jenem Italienzug, bei dem der Augsburger Bischof Heinrich 982 fiel. Ab etwa 985 übernahm Wolfgang die Erziehung der Kinder des Bayernherzogs: des später heiliggesprochenen Kaisers Heinrich II. und der seligen Gisela, der späteren Gemahlin König Stephans des Heiligen von Ungarn. Als 987 eine große Hungersnot herrschte, öffnete Wolfgang die bischöflichen Getreidespeicher und gab auch denen, die von auswärts kamen.
Auf einer Reise nach Pöchlarn starb er am 31. Oktober 994 in der nicht mehr bestehenden Kapelle des heiligen Othmar in Pupping. Sein Leichnam wurde nach Regensburg überführt und in St. Emmeram beigesetzt. Seit seiner Heiligsprechung 1052 wird er dort in der nach ihm benannte Krypta verehrt.
Legendenhaft ausgeschmückt wurde Wolfgangs Aufenthalt in der Einsiedelei auf dem Falkenstein (St. Gilgen), von wo er ein Beil ins Tal geworfen und an der Stelle, wo er es wiederfand, die Kirche von St. Wolfgang gebaut haben soll. Diese war bereits 1306 das Ziel von Wallfahrern, für die 1315 eine Herberge und 1515 ein Pilgerbrunnen errichtet wurden. Damals rangierte St. Wolfgang nach Rom, Aachen und Einsiedeln als Wallfahrtsort an vierter Stelle. Dies hatte die Gründung weiterer Wolfgangkirchen zur Folge, etwa in Kirchberg am Wechsel, St. Wolfgang bei Weitra, St. Wolfgang am Stein und Kefermarkt. Reliefs und Gemälde überliefern insbesondere die Legende vom Kirchenbau in St. Wolfgang mit Hilfe des Teufels, den der Heilige zu überlisten wusste. Statt der versprochenen Seele des ersten Pilgers musste der Widersacher mit einem Wolf vorliebnehmen. Eine der originellsten Darstellungen zeigt die Baustelle der Kirche mit dem Heiligen, der sie im Bischofsornat(!) eigenhändig errichtet. Der Teufel trägt ihm die Steine zu, während ein anderer Mörtel herbeikarrt. Daneben agieren aber auch echte Handwerker, von denen einer den Mörtel anrührt, während die anderen fachgerecht die Steine versetzen. Die Schnelligkeit, mit der viele Kirchen errichtet wurden, führten auch bei anderen Bauten zur Vorstellung, es sei dabei der Teufel im Spiel gewesen.
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