
Rund 100 Teilnehmende – überwiegend Referent:innen in der Erwachsenenbildung – kamen zusammen, um der Frage nachzugehen, wie Resonanz in Bildungsprozessen entstehen kann. Resonanz entstehe nicht aus Berechnungen oder Plänen, sondern aus Begegnungen, Bewegungen, Klängen und Erfahrung: „Echte Bildung passiert dort, wo Menschen sich berühren lassen“, gab sich Organisatorin Petra Köppl überzeugt.
Zum Einstieg gab es zunächst einen Film. „Wir haben gerade gesehen, wie die kleine Hummel unbeschwert durch den Tag summt – und dann von der Wissenschaft erfährt, dass sie eigentlich gar nicht fliegen dürfte. Ein wunderbares Paradoxon. Etwas geschieht, weil es geschieht – weil es mit der Welt in Resonanz ist, und nicht, weil es theoretisch möglich wäre“, sagte dazu Stephanie Millinger vom Katholischen Bildungswerk. Drei spannende Impulsreferate folgten und widmeten sich dem Thema Resonanz aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Eingeladen waren die Autorin und Krisenberichterstatterin Petra Ramsauer, der künstlerische Leiter des Brucknerhauses Norbert Trawöger und Geigenbaumeister Franz Übelhör.
Die Krisenberichterstatterin Petra Ramsauer sprach von Schutz- und Beziehungsräumen unter extremen Bedingungen. „Menschen riskieren ihr Leben, wenn sie mit mir sprechen“, sagte sie über ihre Arbeit in Krisen- und Kriegsgebieten. Umso wichtiger sei es, selbst zum Resonanzraum zu werden: „Durch mich entsteht die Möglichkeit, dass Geschichten erzählt werden.“ Resonanz bedeute, dem Gegenüber Raum zu lassen – „so wie er ist, dort wo er ist“. Sprache könne dabei Räume öffnen oder verschließen.
Der künstlerische Direktor des Brucknerhauses Linz, Norbert Trawöger, führte in den Klangraum der Musik. „Zusammengehörigkeit entsteht durch das gegenseitige Hören“, betonte er. Im Orchester gelte es, sich selbst zu hören und zugleich die anderen. „Es soll klingen, als käme alles aus einer Welle.“ Besonders eindrücklich sprach er über die Stille: „Ich liebe die Stille. Denn diese Stille erwartet die Spielenden und die Zuhörenden. Ohne Stille gibt es keinen Klang.“
Rückblickend auf das Brucknerjahr erreichten ihn viele Fragen, ober er stolz darauf sei, dass jetzt so viele Menschen Bruckner (besser) kennen. „Nein! Das Schönste war, dass so viele Begegnungsräume entstanden sind, wo Menschen sich gemeinsam mit etwas Geistigem, Spirituellem beschäftigt haben. Das ist eine unglaubliche Kostbarkeit.“ Einen handwerklich-physikalischen Zugang eröffnete der Linzer Geigenbaumeister Franz Übelhör. Die verhältnismäßig kleine Geige sei im ganzen Konzerthaus hörbar – selbst in den hintersten Reihen. „Das sind für mich die spannenden Dinge: jene, die eigentlich gar nicht funktionieren dürften, aber es trotzdem tun – wie der Flug der Hummel.“ In seinem Beruf gehe es immer um die Verstärkung von Schwingungen.
Der Tag machte insgesamt deutlich, dass Resonanz in der Erwachsenenbildung weniger eine Methode als eine Haltung ist. Sie entsteht dort, wo Räume offen gehalten werden, Menschen einander zuhören und Unterschiedliches nebeneinander bestehen darf. Bildung entfaltet ihre Kraft dort, wo Beziehung möglich wird.

BÜCHER_FILME_MUSIK

Lesen Sie alle Beiträge zum Schwerpunkt Brucknerjahr 2024
KIRCHENZEITUNG 4 Wochen lang kostenlos kennen lernen. Abo endet automatisch. >>
MEIST_GELESEN