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Die Gläubigen als Diplomaten

GESELLSCHAFT_SOZIALES

Welche Rolle die Kirchen in der diplomatischen Friedensarbeit spielen, erläuterte Spitzendiplomat und Botschafter Emil Brix. Er war auf Einladung von Pro Oriente in Linz. 

Ausgabe: 14/2026
31.03.2026
- Josef Wallner
Botschafter Emil Brix bei seinem Vortrag im Festsaal der Elisabethinen.
Botschafter Emil Brix bei seinem Vortrag im Festsaal der Elisabethinen.
© KIZ/JW

„Die Welt ist gefährlicher geworden.“ Mit dieser nüchternen Feststellung eröffnete Botschafter Emil Brix seinen Vortrag. Unwiderlegbar das Beispiel, das er dafür nannte: „Der Iran kann mit seinen Raketen Wien, auch Linz erreichen.“ Der Spitzendiplomat, der Botschafter in London und Moskau sowie bis 2025 Leiter der Diplomatischen Akademie in Wien war, zeigte auf, warum es zu der heute globalen Krise kommen konnte: Trotz der Beendigung des Kalten Kriegs vor 35 Jahren, als „alle von einem ewigen Frieden träumten“, habe sich keine stabile Weltordnung etabliert. Denn sie sei nicht auf Gerechtigkeit gebaut gewesen. Das zeige sich an der Kluft zwischen Arm und Reich, die in Europa, aber ganz besonders in den Ländern des Globalen Südens immer tiefer geworden sei. 

 

Kirchen als Partner


Überdies hätten sich die Machtverhältnisse und -ansprüche zwischen den USA, China und Russland verschoben, was an den derzeitigen weltweiten Auseinandersetzungen sichtbar werde. Die Wege aus den globalen Krisen und Kriegen können für Brix nur über den Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden führen. Für den österreichischen Berufsdiplomaten steht aber auch fest: „Nur durch die Diplomatie werden wir es nicht schaffen.“ Es brauche dazu Partner. Die Kirchen sind aus seiner Sicht für eine solche Partnerschaft prädestiniert, weil sie einen klaren Friedensauftrag haben: „Warum verzichten wir in der Außenpolitik auf die Erfahrung der Kirchen?“ Er hatte aber nicht sosehr die institutionelle Seite der Kirche mit der vatikanischen Diplomatie und ihren Nuntiaturen im Blick: „Die sanfte Macht der Kirche beruht mehr auf der Gemeinschaft und der Kraft der Gläubigen als auf der Hierarchie.“ 

 

Vertrauen als Leitwährung


Diplomat Brix blendete nicht aus, dass der Einsatz der Kirchen für den Frieden weder in der Geschichte noch heute ungebrochen positiv ist. So hat die serbisch-orthodoxe Kirche in den Jugoslawien-Kriegen zu Gewalt aufgerufen, und das jüngste Beispiel ist die Kriegspropaganda der russisch-orthodoxen Kirche. Im Blick auf diese und auch andere Pervertierungen des kirchlichen Friedensauftrags ist für Brix aber der Weg, den die Kirchen zurückgelegt haben, dennoch glaubwürdig:  von einer Gewalt ausübenden Rolle hin zum Einsatz für den Frieden. Er hielt an der Bedeutung des Friedenspotenzials der Kirchen fest, das er vor allem in der Erfahrung für Geopolitik sieht: „Wir müssen uns mit denen verbünden, die immer geopolitisch tätig waren: Das sind eben die Kirchen.“  
Die Machtlosigkeit der Diplomatie, die sich in den derzeitigen Kriegen zeige, hänge am fehlenden Vertrauen, betonte Diplomat Brix. „Der ledigliche Austausch von nationalistischen Positionen führt nicht weiter. Damit Verhandlungen überhaupt beginnen können, braucht es ein Minimum an Vertrauen.“ Und da kommen für ihn die Kirchen wieder ins Spiel: Sie können „diskrete Räume des Dialogs schaffen“. Und da die Kirchen nicht an nationale Horizonte gebunden sind, „sind sie fähig, über den Tellerrand staatlicher Interessen zu schauen und das Gemeinwohl im Blick zu haben“. 
Der versierte Diplomat machte aber auch auf die Realität aufmerksam. Die Kirchen würden mit ihrer Expertise nicht gesucht, sie müssten sich selbst offensiv einbringen: „Ich würde mir von der katholischen Kirche wünschen, dass sie lauter ist. Ein bisschen klarere Stellungnahmen könnten hilfreich sein.“ 

 

Interreligiöser Dialog


Obwohl Brix besonders auf die Kraft der Gläubigen setzt, sieht er weltweit sämtliche religiösen Institutionen in der Pflicht. Er bedauerte, dass diese zur Zeit nicht in der Lage seien, Frieden herzustellen. „Wir haben zu wenig interreligiösen Dialog“, bedauerte der Diplomat und resümierte: „Das 21. Jahrhundert verlangt nach mehr Dialogbereitschaft, nach mehr Friedenswillen, nach mehr Gerechtigkeit und – was zunehmend mehr außenpolitisches Thema wird – nach mehr Bewahrung der Schöpfung.“   

 

 

 

 

Jahresbilanz der Sektion Pro Oriente Linz

 

Josef Pühringer, Landeshauptmann a. D. und Vorsitzender von Pro Oriente Sektion Linz, gab bei der Komitee-Sitzung am 21. März einen Überblick über die Pro-Oriente-Aktivitäten in OÖ im Jahr 2025. Zu den zehn öffentlichen Veranstaltungen (Vorträge, Ausstellung, Symposium, Begegnungen mit orthodoxen Pfarren) kamen an die 1.800 Teilnehmer:innen. Botschafter Brix referierte im Rahmen der Komitee-Sitzung im Festsaal der Elisabethinen. 

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