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Christentum als Korrektiv in der EU

GESELLSCHAFT_SOZIALES

„Für ein lebenswertes Europa – der Beitrag des Christentums“: Unter dieses Thema hatte der ehemalige EU-Kommissar Franz Fischler seinen Vortrag in Linz gestellt, den er auf Einladung der Linzer Pro- Oriente-Sektion und der Raiffeisenlandesbank OÖ hielt. 
 

Ausgabe: 27/2026
30.06.2026
- Josef Wallner
Zum Vortrag von Franz Fischler, langjähriger EU-Kommissar in Brüssel, kamen am 23. Juni rund 250 Gäste ins Raiffeisenforum Linz.
Zum Vortrag von Franz Fischler, langjähriger EU-Kommissar in Brüssel, kamen am 23. Juni rund 250 Gäste ins Raiffeisenforum Linz.
© Kiz/JW

Mit der Welt im Umbruch, wie sie sich am Klimawandel, an der künstlichen Intelligenz, an der Biotechnologie und an den Völkerwanderungen zeigt, skizzierte Fischler die aktuelle globale Lage. Die Sehnsucht nach Orientierung werde angesichts dieser Situation rasch wachsen. „Sind wir Christen da nicht besonders gefordert?“, fragte Fischler. „Dabei muss das Christentum ein prophetisches Korrektiv gegen die vermeintlichen Heilsversprechen der Musks und Thiels unserer Zeit sein, damit Europa auch künftig der lebenswerteste Kontinent der Welt bleibt.“ 

 

Der EU eine Seele geben


Fischler erinnerte an den Präsidenten der EU-Kommission Jacques Delors, der in den 1990er-Jahren den Slogan geprägt hatte: „Der EU eine Seele geben“. Die EU sei nicht nur eine Wirtschaftsunion, sondern eine wertebasierte Gemeinschaft, die auf der Menschenwürde und der Europäischen Grundrechtscharta gründe. Damit das so bleibe, sei das Engagement aller, auch der Christen notwendig, mahnte Fischler: „Wer glaubt, dass die in Brüssel das schon regeln werden, täuscht sich. Jeder ist gefragt.“ 


Weil den Institutionen der EU oft christenfeindliches Verhalten vorgeworfen wird, klärte Fischler im Gespräch mit der KIZ über die rechtliche Stellung der Religionsgemeinschaften auf. Im Vertrag von Lissabon (2007) sei festgehalten, dass die EU jedes Verhältnis zu einer Religion, so wie es auf Basis der nationalen Verfassung der einzelnen Mitgliedstaaten funktioniert, akzeptiert. Kein Mitgliedstaat müsse sein Verhältnis zur Religion aufgrund von Vorgaben aus Brüssel ändern. Darüber hinaus habe EU-Kommissionspräsident Romano Prodi einst eine Plattform geschaffen, auf der sich die Religionsgemeinschaften Europas austauschen können. „Da bemüht sich die Kommission und auch die Kirchen sind in diesem ‚strukturierten Dialog‘ genannten Gesprächsprozess durchaus engagiert“, erklärte Fischler. Auch abseits der vorgegebenen Kanäle hätten die Kirchen durchaus Chancen, in den EU-Institutionen Aufmerksamkeit zu erlangen, meinte Fischler, schränkte aber ein: „Wenn sie gehört werden wollen, müssen sie mit einer gemeinsamen Stimme sprechen. Man kann da nicht mit fünf verschiedenen Positionen auftauchen.“ Und er fügte an: „Ich glaube, dass man in Brüssel vonseiten der Kirchen durchaus zu Fragen mit ethischer Komponente wie dem Klimawandel oder dem Problem des Verhältnisses der EU gegenüber Afrika klare Stellungnahmen erwarten würde. Es gibt ein weites Feld, auf dem die Kirchen mit ihren Stellungnahmen ihre Bedeutung steigern könnten.“ 

 

Europa und die Zukunftsaufgaben


Der Vorsitzende der Linzer Pro-Oriente-Sektion, Altlandeshauptmann Josef Pühringer, betonte, dass die christlichen Wurzeln Europas nicht bloß historisches Erbe seien, sondern Auftrag, aktiv an Frieden, Demokratie und gesellschaftlichem Zusammenhalt mitzuwirken. 
In einer an den Vortrag Fischlers anschließenden Podiumsdiskussion wies Bischof Manfred Scheuer auf die Schanierfunktion der Religionsgemeinschaften hin. Es gehe darum, dass in der EU nicht Kultur, Sinn und Spiritualität neben Ökonomie, Ökologie und Sozialem existieren, sondern zusammengeführt werden. Sigrid Burkowski, Vorstandsmitglied Raiffeisenlandesbank OÖ, hob die Bedeutung einer wertebasierten und nachhaltigen Entwicklung Europas hervor. Nachhaltigkeit dürfe kein Schlagwort bleiben.   

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