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Inhalt:
Chatberatung der TelefonSeelsorge bietet Hilfe

Plötzlich ist die Welt klein geworden

Bewusst Leben

In der Zeit des Lockdown haben besonders junge Menschen bei der Chatberatung der Telefon-Seelsorge Hilfe gesucht.

Ausgabe: 37/2020
08.09.2020
- Brigitta Hasch
Corona hat die Lebenswelt vieler junger Menschen komplett auf den Kopf gestellt.
Corona hat die Lebenswelt vieler junger Menschen komplett auf den Kopf gestellt.
© Viacheslav Peretiatko, realstock1/stockadobe.com

„Etwa zwei Drittel der rund 2.000 Chat-Kontakte in dieser Zeit waren mit 15- bis 30-Jährigen. Und es hat sich schnell alles um Corona gedreht“, berichtet Doris Bauer, Koordinatorin der Chatberatung der TelefonSeelsorge. Rückblickend ist das für sie auch nicht verwunderlich, denn: „Für die meisten jungen Menschen war es die erste Krise, von der sie unmittelbar betroffen waren. Sie durften von heute auf morgen keine Freunde mehr treffen, konnten keine Feiern oder Konzerte besuchen, nicht ins Kino gehen, keine Reisen unternehmen, auch die Universitäten und Schulen waren geschlossen. Ihre Lebenswelt ist buchstäblich zusammengebrochen. Dazu kam die Angst um die Familie.“

 

Erstes Andocken

Jungen Menschen fällt es scheinbar leichter, ihre Probleme niederzuschreiben als darüber zu reden. „Wir haben aber auch gemerkt, dass es für viele überhaupt das erste Mal war, dass sie ihre Sorgen geäußert haben. Und es war für sie schon eine Entlastung, dass wir mit Mitgefühl und Verständnis versucht haben, die Probleme gemeinsam auseinanderzusortieren und Umgangsstrategien zu entwickeln.“ Das war deshalb wichtig, so Bauer, weil durch die Krise viele in eine Art Schockstarre verfallen seien. „Nach der Chatberatung haben sie wieder einen Handlungsspielraum für sich gewonnen.“

 

Träume in der Warteschleife

Besonders die Frage nach dem „Wie lange wird es dauern?“ und die damit verbundene Ungewissheit über die Zukunft waren Themen der Chatberatung. „Menschen, die sich gerade mit viel Engagement selbständig gemacht hatten – wie etwa ein junger Mann aus der Kulturbranche – leiden nun an Existenzängsten. Aber auch eine junge Frau, die gerade zu einer Weltreise aufbrechen wollte, hat sich an uns gewandt. Ihre Träume sind vorerst in der Warteschleife“, erzählt Doris Bauer. In der Zwischenzeit ist allerdings die Dringlichkeit der Probleme geringer geworden. „Im Sommer konnten wir vieles nachbesprechen, teilweise dann auch am Telefon.“

 

Was tun, wenn jemand Suizidgedanken äußert?

  • Suizidabsichten sind immer ernst zu nehmen. In jedem Fall sind sie ein Notsignal dafür, dass der/die Betroffene unter einem starken Leidensdruck steht und weder ein noch aus weiß. Dieser Hilferuf sollte keinesfalls überhört werden. Suizidale Absichten oder auch ein Suizidversuch stellen keinen unwiderruflichen Entschluss dar – Hilfe ist möglich!
  • Beziehung kann Halt geben. Dem/Der Betroffenen vermitteln, dass man an ihm/ihr und all seinen/ihren Gefühlen und Problemen interessiert ist. Die Erfahrung von Verbundenheit ist essentiell für die psychische Gesundheit.
  • Suizidgedanken ansprechen. Ein offenes Gespräch über die Suizidphantasien stellt für die Betroffenen oft eine emotionale Entlastung dar.
  • An Ressourcen orientieren: Welche Ressourcen hat der/die Betroffene selber? Welche gibt es in seinem/ihrem sozialen Umfeld? Welche professionellen Ressourcen gibt es?
  • Auf niederschwellige Hilfsangebote aufmerksam machen und zur Inanspruchnahme ermutigen.
  • Selbst Hilfe suchen: Die Auseinandersetzung mit suizidalen Menschen kann sehr belastend sein. Wir werden dabei mit unserer Verletzlich- und Vergänglichkeit konfrontiert und können uns plötzlich selbst hoffnungslos fühlen. Holen Sie sich Hilfe und sorgen Sie gut für sich.

 

Corona belastet die Psyche

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