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Beim Einkaufsbummel entscheidet oft der erste Blick, ob ein Kleidungsstück gefällt. Doch es lohnt sich, genauer hinzuschauen. Woher kommt es? Unter welchen Bedingungen wurde es hergestellt? Aus welchen Rohstoffen besteht es eigentlich?
„Fast 70 Prozent aller Kleidungsstücke bestehen leider aus synthetischen Fasern wie Polyester, das ist über die gesamte Produktlebensdauer eine echte Katastrophe“, sagt Wolfgang Pfoser-Almer, Geschäftsführer der WeFair in Linz, Österreichs größter Nachhaltigkeitsmesse (6. bis 8. November, www.wefair.at).
Das Problem beginnt bereits beim Rohstoff: Polyester wird aus Erdöl hergestellt, die Produktion ist energieintensiv, und beim Waschen lösen sich winzige Mikroplastikpartikel, die ins Abwasser gelangen. Am Ende verrotten die Kleidungsstücke nicht – ein riesiges Problem angesichts der wachsenden Textilberge auf Mülldeponien, etwa in Afrika. Pfoser-Almer empfiehlt daher, möglichst auf Kunstfasern zu verzichten und stattdessen zu Naturfasern zu greifen. Baumwolle ist der Klassiker, idealerweise aus biologischem Anbau.
Weitere Alternativen sind Leinen und Hanf sowie neue Fasern auf Zellulosebasis. Dazu zählt etwa Lyocell, das der oberösterreichische Faserhersteller Lenzing unter der Marke Tencel produziert. „Das fühlt sich richtig gut an“, sagt Pfoser-Almer. Auch Viskose wird aus Zellulose gewonnen. Geforscht wird außerdem an ungewöhnlichen Rohstoffen wie Bananenfasern. Die Auswahl an Alternativen zu Polyester wächst stetig.
Nachhaltige Mode hat ihr Nischendasein längst hinter sich gelassen. Zwar lockt die Fast-Fashion-Industrie weiterhin mit ständig neuen Kollektionen und Schnäppchenpreisen, doch auch bei etablierten Modemarken findet ein Umdenken statt. Immer mehr Unternehmen bieten zertifizierte Bio-Baumwolle an, viele Kleidungsstücke tragen bereits das GOTS-Gütesiegel. Doch wo Nachhaltigkeit zum Verkaufsargument wird, ist auch Greenwashing nicht weit. „Am besten schaut man auf das Gütesiegel“, rät Pfoser-Almer. Auf das international anerkannte GOTS-Siegel könne man sich verlassen. Bei anderen Zertifizierungen hilft ein Blick auf den Online-Gütesiegelcheck (siehe Tipps).
Noch mehr Einblick bietet der persönliche Kontakt zu den Hersteller:innen, wie er etwa auf der Messe WeFair möglich ist. Wer weiß, woher ein Kleidungsstück kommt und wer es produziert hat, lernt es ganz anders zu schätzen. Auf der WeFair sind rund 60 Prozent der Besucher:innen weiblich, die meisten über 30 Jahre alt.
Bleibt die Frage nach dem Preis. Ein T-Shirt für 5 Euro könne kaum unter fairen und umweltfreundlichen Bedingungen hergestellt werden, gibt Pfoser-Almer zu bedenken. Umgekehrt sei teuer aber nicht automatisch nachhaltig – und nachhaltig nicht unbedingt teuer. Als Beispiel nennt er Jeans, die er selbst auf der WeFair um 100 Euro gekauft hat. Damit waren sie sogar günstiger als viele Markenjeans. Nachhaltigkeit muss also keine Frage des großen Geldbörserls sein.
Was auf dem Etikett steht, kann auch für die eigene Gesundheit einen Unterschied machen. Denn schon beim Anbau der Rohstoffe, später bei der Verarbeitung und beim Transport von Textilien, kommen mitunter Chemikalien zum Einsatz, deren Rückstände gesundheitlich bedenklich sein können. Bei Bio-Baumwolle wird dagegen auf chemisch-synthetische Pestizide verzichtet, bei GOTS-zertifizierten Textilien gelten zudem strenge Vorgaben für problematische Chemikalien. Ein Vorteil, den man dem fertigen T-Shirt zwar nicht ansieht, der aber durchaus ins Gewicht fällt.
Schließlich hat nachhaltige Mode noch einen praktischen Vorteil: Hochwertige Verarbeitung und langlebige Materialien sorgen dafür, dass Lieblingsstücke länger Freude machen. Statt austauschbarer Massenware gibt es besondere Kleidungsstücke mit Charakter – und für jeden Geschmack.
Für Pfoser-Almer zählt zudem der Blick über den eigenen Kleiderschrank hinaus. Wer faire Mode kauft, unterstützt bessere Arbeits- und Lebensbedingungen in Produktionsländern. Denn Ausbeutung und fehlende Perspektiven sind auch Ursachen für Flucht und Migration. „Jeder Einkauf ist deshalb ein kleiner politischer Akt. Wir entscheiden, ob wir faire Produktion unterstützen oder ausbeuterische Systeme stärken.“
Auf Gütesiegel achten: Das GOTS-Siegel steht für hohe ökologische und soziale Standards bei Textilien aus Naturfasern. Andere Zertifizierungen prüft der Gütesiegel-Check von GLOBAL 2000 und Südwind: https://siegelcheck.suedwind.at
Material prüfen: Ein Blick auf das Etikett lohnt sich. Naturfasern bevorzugen.
Vorhandenes schätzen: Das nachhaltigste Kleidungsstück ist jenes, das bereits im Kasten hängt. Tauschen, leihen oder Secondhand kaufen.
Richtig pflegen: Reißverschlüsse vor dem Waschen schließen, nicht zu oft und bei niedrigen Temperaturen waschen. Auf den Wäschetrockner möglichst verzichten und Kleidung an der Luft trocknen lassen. Das schont die Fasern und verlängert die Lebensdauer.
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