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Eine Frau, die einen Traktor fährt, ist längst kein außergewöhnliches Bild mehr. Ganz selbstverständlich haben Bäuerinnen in den letzten Jahrzehnten auch Arbeiten auf Äckern und Wiesen übernommen. Und trotzdem müssen sie immer wieder beweisen, dass sie sich auskennen, was diese Arbeiten betrifft.
Umgekehrt wird oft übersehen, was Bäuerinnen sonst alles leisten in Haus und Hof.
Zum heurigen Internationalen Jahr der Bäuerin, das die Vereinten Nationen (UN) ausgerufen haben, wurden die Ergebnisse der österreichischen Bäuerinnen-Studie für 2026 bei einer Tagung am 15. Oktober in Linz präsentiert. Das „Jahr der Bäuerin“ hat drei zentrale Ziele:
Die UN gehen davon aus, dass eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für Bäuerinnen zu mehr Ernährungssicherheit, höherer wirtschaftlicher Stabilität und einer zukunftsorientierten, klimaangepassten Landwirtschaft führt.
Die Bäuerinnen-Studie für Österreich sagt in ihren Kernaussagen, dass die Bäuerinnen im Vergleich zu vor zehn Jahren besser ausgebildet sind und deutlich mehr Verantwortung tragen: 38 Prozent der Befragten haben angegeben, hauptverantwortlich den landwirtschaftlichen Betrieb zu leiten, 31 Prozent gemeinsam mit dem Partner oder anderen. So sind Frauen im Vergleich zu früher mehr in die betrieblichen Arbeiten involviert, die Verteilung der Versorgungsarbeiten (Hausarbeit, Pflege) ist allerdings gleich. Bauern, die Wäsche aufhängen oder Windeln wechseln, sind also nach wie vor in der Minderheit.
Betriebsleiterinnen bewirtschaften häufig kleinere Flächen bis 20 Hektar sowie Betriebe im Nebenerwerb. Fast die Hälfte der weiblich geführten Betriebe wird biologisch bewirtschaftet.
Auch wenn Frauen die Betriebsleitung innehaben, geben fast 80 Prozent an, dass der Sohn den Hof zukünftig übernehmen wird. Selbst für Bauerntöchter ist also der Zugang zu Land weiterhin eine große Herausforderung. Der Weg in die Landwirtschaft führt nach wie vor in der Regel über eine Heirat.
Es zeichnet sich jedoch ab, dass immer mehr Bauernhöfe gemeinschaftlich bewirtschaftet werden. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Verantwortung so auf mehr Schultern verteilt wird und jede einzelne Person am Hof leichter vertreten werden kann.
Fast jede fünfte Bäuerin hat sich noch nicht damit beschäftigt, wie sie im Fall einer Trennung oder dem Tod des Partners rechtlich und finanziell abgesichert ist. Da ein Bauernhof nicht nur Arbeitsplatz, sondern auch Lebensort ist, sehen die Studienautorinnen hier dringend Aufholbedarf.
Als größte Herausforderung für die kommenden Jahre sehen die Bäuerinnen die Inflation und steigende Lebenserhaltungkosten. Direkt dahinter folgt die Sorge über Klimaveränderungen und die ökologische Anpassung – insbesondere angesichts des vergangenen heißen und trockenen Sommers.
Die Studienautorinnen haben auch Handlungsempfehlungen für die politischen Entscheidungsträger:innen ausgearbeitet, wobei sie betonen, dass es insgesamt kaum Zahlen über die Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten, gibt, etwa über Geschlecht und Alter.
In der Agrarstatistik und bei der Ausarbeitung von Förderungen in der gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) wird die Lebensrealität der Bäuerinnen zu wenig berücksichtigt, was eine geschlechtergerechte Förderung schwieriger macht. Es sollte beispielsweise einkalkuliert werden, dass Frauen eher kleinere Investitionen tätigen. Vor allem junge Bäuerinnen brauchen Möglichkeiten, sich zu vernetzen und Wissen auszutauschen, wo sie z. B. ohne Scheu Fragen zu technischen Inhalten stellen können.
Viele junge Bäuerinnen wünschen sich „Role Models“, also Frauen, die aufzeigen können, wie sie Probleme in verschiedenen Lebensphasen, etwa bei einer Familiengründung ohne unterstützende Familie im Umfeld, gelöst haben. Und gerade sie brauchen Informationen darüber, wie sie z. B. im Falle eines Mutterschutzes Entlastung und Betriebshilfe erhalten können. Zumindest Vorbilder präsentiert hierzu eine Kampagne des Landwirtschaftsministeriums: Unter dem Titel „Bäuerinnen im Fokus“ werden sechs Bäuerinnen als Unternehmerinnen und Gestalterinnen vorgestellt (www.landwirtschaft.at/baeuerinnen).
Seit 1976 erhebt die Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen (BAB) alle zehn Jahre Daten über die Situation der Bäuerinnen in Österreich, die Initiative kam von der „ARGE Bäuerinnen“, die alle österreichischen Bäuerinnen in der Präsidentenkonferenz der österreichischen Landwirtschaftskammer vertritt.
Auftraggeberin ist das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK).
Die Kurzfassung der Studie ist online abrufbar: www.bab.gv.at
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