Sozialratgeber

Download hier >> oder Sozialratgeber KOSTENLOS bestellen unter office@kirchenzeitung.at oder telefonisch: 0732 / 7610 3944.
Gisèle Pelicot, die selbst von ihrem Mann unter Drogen übers Internet anderen Männern als Sexobjekt angeboten wurde, hat gesagt: „Die Scham muss die Seite wechseln.“ Ein Fachartikel von Ingeborg Kraus titelt: „Das Nordische Modell zur Prostitution. Ein Perspektivenwechsel zum Schutz der Menschenwürde“. Muss die Scham auch in der gewerbemäßigen Prostitution die Seite wechseln?
Ingeborg Kraus: Freier schämen sich nicht. Kein einziger Freier schämt sich für das, was er den Frauen antut. Warum? Weil es ja legal ist. Mit einer legalen Prostitutionsgesetzgebung sagt man ja den Freiern, dass sie das Recht darauf haben. Und die schämen sich auch nicht. Diejenigen aber, die sich dafür schämen, wenn ihnen in der Prostitution etwas zustösst – wenn sie verprügelt, gedemütigt, angespuckt, an den Haaren gezogen oder mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen werden –, das sind die Frauen. Die schämen sich dafür, dass man ihnen das antut. Ja, die Scham muss die Seite wechseln. Die Freier müssen sich dafür schämen.
Was erschüttert Sie persönlich am meisten an der Tatsache, dass eine Frau oder auch ein Mann ihren bzw. seinen Körper gegen Bezahlung für Sex zur Verfügung stellt?
Kraus: 55 Prozent der Freier, die wir in einer Studie befragt haben, sagen, sie wissen, dass die Frauen unter Zwang stehen. Die Freier haben von Zuhältern berichtet, die ihre Frauen zusammengeschlagen haben, also ganz brutal ins Gesicht, zweimal gegen die Wand oder sie haben ihnen die Fingernägel abgezogen. Ja, die hatten auf einmal Angst, als ihr Zuhälter in den Raum trat. Die Sexkäufer haben das gesehen und hatten trotzdem Sex mit den Frauen. Ja, und warum? Sie haben es doch gesehen! Ja, weil sie dafür bezahlt haben. Diese Männer denken, dieser Transfer des Geldscheins gibt ihnen die Berechtigung, es zu tun. Deswegen ist ein Sexkaufverbot so wichtig. Mit einer Legalisierung von Sexkauf rechtfertigen wir Vergewaltigung.
Was wünschen Sie sich von allen anderen Männern?
Kraus: Ja, dass sie lauter werden. Die Männer, die es nicht machen, die können sich engagieren. Die sollten dagegen sprechen und nicht immer mit einer Abwehrreaktion reagieren. Wir wissen, dass nicht jeder Mann Sex kauft, aber wir wissen auch, dass es jeder vierte Mann macht. Es gibt keine Kategorisierung dieser Sexkäufer, also die sind im Alter zwischen 18 und 87 Jahren, die kommen aus jeder sozialen Schicht, die können auch Mitglied einer Kirche sein. Man kann nicht sagen, ja, nur die sind Sexkäufer: Alle können es sein. Wir wissen aber, dass Sexkäufer mehrheitlich keine isolierten Männer sind: Sie befinden sich in Beziehungen und/oder sind Väter.
Das angesprochene Nordische Modell, das Sexkauf unter Strafe stellt, wurde in Schweden 1999 eingeführt. Wie sehen Sie das Problem, dass ein Sexkaufverbot die Sexarbeiter:innen in die Illegalität treibt und sie so noch mehr der Gewalt und Gesundheitsgefährdung ausgesetzt werden?
Kraus: Man muss wissen, dass die Pro-Prostitutionslobby ziemlich aktiv war mit der Verbreitung von Lügen. Eine der großen Lügen, die sie verbreitet hat, war eben dieses Argument: Ja, dann rutscht es in die Illegalität und dann sind die Frauen noch mehr Gewalt ausgesetzt. Mehr Gewalt als jetzt geht gar nicht! Neueste Studien belegen, dass ca. 90 Prozent der Frauen in der Prostitution schwerste Form von Gewalt erleben. 25 Jahre nachdem Deutschland genau das Gegenteil von Schweden getan hat, haben sich nur 10 Prozent der Frauen registriert, 90 Prozent bleiben illegal. Deutschland ist tatsächlich das Bordell Europas geworden, weil Prostitution, Freiertum, Menschenhandel und Zuhälterei explodiert sind. Es werden sogar touristische Touren in Deutschland angeboten. Da kommt man aus dem Ausland, landet in Frankfurt und man wird dann von einem Bordell zum anderen geschippert. Wir haben Megabordelle auf acht Stockwerken, wo man 1.000 Freier aufnehmen können. Das ist verrückt. Das hatten wir vor der Legalisierung der Prostitution 2002 nicht.
Sozialratgeber

Download hier >> oder Sozialratgeber KOSTENLOS bestellen unter office@kirchenzeitung.at oder telefonisch: 0732 / 7610 3944.
Jetzt die KIRCHENZEITUNG 4 Wochen lang kostenlos kennen lernen. Abo endet automatisch. >>