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Missionarisch sein, nicht Häuser erhalten

Weltkirche

Dass die katholische Kirche künftig von Afrika geprägt wird, steht außer Frage. Bei den Mariannhiller Missionaren wird über dieses Szenario nicht nur geredet, sondern es wird bereits gelebt. P. Thulani Mbuyisa ist der erste afrikanische Leiter der Gemeinschaft. 
 

Ausgabe: 2018/26
26.06.2018
- Josef Wallner
© KiZ/JW

Dass ein Generalsuperior der Mariannhiller Missionare – unabhängig aus welchem Land er selbst stammt – eine besondere Beziehung zu Österreich hat, liegt auf der Hand. Ist doch der Gründer der Ordensgemeinschaft ein Österreicher: Abt Franz Pfanner aus Vorarlberg hat 1886 in Südafrika ein Kloster gegründet und es Mariannhill genannt. Das war der Grundstein des Ordens. Generalsuperior P. Thulani Mbuyisa hat bei seinem Besuch in Linz vor zwei Wochen darum die Bedeutung Österreichs für den gesamten Orden unterstrichen. Das zeigte sich auch in seinem nachdrücklichen Bekenntnis zum „Standort“ Österreich. Er macht aber deutlich: „Wir bringen keine Leute her, um die Strukturen oder alte Gebäude wie das Schloss Riedegg aufrecht zu erhalten, sondern um eine missionarische Präsenz zu begründen.“ 
Der Generalsuperior hat dafür einen Plan. Im Mariannhiller Missionshaus in Würzburg sollen in einem ersten Schritt drei bis vier junge Mariannhiller aus Afrika Theologie studieren und anschließend in Deutschland und Österreich tätig sein. So hofft P. Thulani, in Linz, wo  das Haus an der Promenade bestens geeignet ist, eine missionarische Gemeinschaft errichten zu können. Die Mariannhiller könnten, mit der deutschsprachigen Kultur vertraut, ans Werk gehen. Bereits 2019 sollen die ersten Studenten nach Würzburg kommen. Dann wird es zwar noch dauern, aber ein Neuanfang wäre gesetzt.

 

Im Wandel

Einen Neuanfang hat auch im Oktober 2016 die Wahl eines Afrikaners, P. Thulani Mbuyisas, zum ersten Generalsuperior der Mariannhiller Missionare gebracht. Vor knapp 30 Jahren waren fünf Prozent der Ordensmitglieder Afrikaner, jetzt sind es 65 Prozent. Tendenz steigend. Das zeigt sich auch in der Ordensleitung in Rom. Von den vier Räten, die dem Generalsuperior zur Seite stehen, sind drei Afrikaner, der vierte kommt aus Deutschland. Was das Führungspersonal betrifft, geht der Wandel von einer „weißen“ in eine „schwarze“ Kongregation ohne gravierende Probleme vor sich. Die Kongregation auf eine neue wirtschaftliche Basis zu stellen, ist dagegen eine Herausforderung. 

 

Stiftungen

Bislang wurde der gesamte Orden finanziell von Europa getragen, mit der sinkenden Zahl der europäischen Ordensleute sinken auch die Spenden. Aus Verkäufen von Häusern in Europa, die aus Personalmangel gesperrt werden mussten, wurden aber bereits zwei Stiftungen errichtet, eine weitere ist im Aufbau. Die Erträge aus ­einer Stiftung dienen zum Beispiel der Ausbildung junger Missionare. Wenn man damit auch nur 70 Prozent der jährlichen Kosten decken kann, ist das eine wichtige, nachhaltige Investition in die Zukunft des Ordens, betont der Generalsuperior und bedauert, dass noch immer Ordenskandidaten weggeschickt werden müssen, weil man sich deren Ausbildung nicht leisten kann. P. Thulani sieht den Wandel des Ordens auf einem guten Weg, aber man braucht Geduld, betont er. 

 

 

„Unser Orden besitzt einen Schatz“ 

P. Engelmar Unzeitig CMM. „In dem NS-Opfer P. Engelmar Unzeitig besitzt unser Orden einen Schatz. Dessen müssen wir Mariannhiller uns noch mehr bewusst werden“, erkärt Generalsuperior P. ­Thulani. Er leitete am 12. Juni 2018 die Wallfahrt nach Glöckelberg (Diözese Budweis) und predigte in der einstigen Pfarrkirche von P. Engelmar (im Bild; Aufnahme der Gestapo). P. Engelmar hat sich im KZ Dachau bei der freiwilligen Pflege ­typhuskranker Mithäftlinge angesteckt und ist im März 1945 verstorben. „Der selige P. Engelmar fordert uns heraus, für das aufzustehen, was richtig ist. Wir haben in unseren Missionen viele Leute, für die wir aufstehen müssen.“ Der Generalsuperior wünscht sich, dass noch mehr Texte von und über P. Engelmar für die Ordensmitglieder ins Englische übersetzt werden.  

 

© OÖ. Landesarchiv
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Beate Mayerhofer-Schöpf ist Theologin 
und Referentin für Spiritualität im 
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