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Sich fallen lassen können in der Gemeinschaft

KIRCHE_OÖ

Jeden Sommer fahren tausende Kinder auf Jungschar- oder Ministrant:innenlager. Was das spezielle Gefühl einer solchen Woche ausmacht, hat Elisabeth Mülleder miterlebt.

Ausgabe: 31/2023
01.08.2023
- Elisabeth Mülleder
In der Minigemeinschaft können die Kinder einander vertrauen – auch beim blinden Durchlaufen eines Parcours.
In der Minigemeinschaft können die Kinder einander vertrauen – auch beim blinden Durchlaufen eines Parcours.
© Minis Gallneukirchen

Beim Ministrant:innenlager in Holzschlag in der Gemeinde Klaffer am Hochficht erfahren fast 30 Kinder und 12 Leiter:innen aus den Pfarren Treffling und Gallneukirchen sechs Tage lang, was es heißt, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Die Kinder sind zwischen acht und 14 Jahre alt. Manche kennen einander noch nicht, doch man wächst schnell zusammen, wenn man den ganzen Tag gemeinsam verbringt und es gilt: Jede:r darf so sein, wie er oder sie ist und jede:r hat einen Platz. 

 

Vielfältiges Programm


Die Woche ist mit verschiedenen Programmpunkten gefüllt. Bei den Workshops basteln die Kinder beispielsweise Tongirlanden, und bei spielerischen Stationen lernen die Ministrant:innen die vier Aufgaben der Kirche: Liturgie, Diakonie, Verkündigung und Gemeinschaft. Das eindeutige Highlight der Kinder bleibt aber die Ministadt. Hier verdienen die Minis bei Stationen Spielgeld, mit dem sie sich bei anderen wiederum etwas kaufen können. So kann ein Kind in der „Minibar“ beim Zubereiten von Fruchtspießen helfen und sich später in der „Chill-Lounge“ eine Gesichtsmaske auftragen lassen.

 

Jedes Jahr klären die Kinder auch einen Mordfall auf. Wir Gruppenleiter:innen schlüpfen dabei in die Rollen der Verdächtigen, die von den Kindern ausführlich befragt werden, um den oder die Mörder:in zu überführen. Der Abschluss jedes Lagers ist dann der Hüttenabend. Hier werden die fleißigsten Minis ausgezeichnet, neue Gruppenleiter:innen „getauft“ und die ältesten Minikinder verabschiedet.

 

Tagsüber geht es also mitunter turbulent zu, doch am Morgen und am Abend bleibt Zeit, um runterzukommen. Denn jeder Tag beginnt mit einem Morgenlob und endet mit einem Abendlob. Dabei wird gemeinsam gesungen, gebetet und aus der Bibel gelesen.

 

Spürbare Gemeinschaft


Für manche Kinder ist es das erste Mal länger weg von zu Hause und so macht sich manchmal Heimweh breit. Doch da hilft dann der Mini-Kuschelbär oder die Vorfreude auf das Programm des nächsten Tages. Auch für uns Gruppenleiter:innen kann die Woche an Grenzen gehen, doch die spezielle Lagerstimmung gewinnt gegen alle Müdigkeit.

 

Beim abschließenden Gottesdienst wird diese Stimmung greifbar, als der Gallneukirchner Pfarrassistent Benjamin Hainbuchner fragt: „Wen hat mal jemand so richtig genervt?“ Ein paar schüchterne Hände gehen langsam in die Höhe. „Und wer hat schöne Momente erlebt?“ Alle Hände schießen blitzschnell nach oben. Es ist ein gutes Stimmungsbild fürs Lager: auch wenn es anstrengend werden kann, überwiegen doch immer die schönen Erlebnisse, in denen die Gemeinschaft spürbar wird. Denn trotz allem ist klar: Wir sind füreinander da und wir können einander vertrauen.

 

Das wird bei einer kurzen Übung während des Gottesdiensts deutlich: Ein Kind stellt sich in die Mitte eines Kreises aus einigen Minis und lässt sich fallen. Jedes Mal wird es aufgefangen. „Dafür muss man ziemlich viel Vertrauen haben“, erkennt eines der Kinder, die mit Spannung zuschauen.  

 

Der Auftrag der Jungschar


Diese Gemeinschaft und die Erfahrungen, die auf jedem Jungschar- und Ministrant:innenlager erlebt werden, gehen weit über das Sommerlager hinaus. „Wir begleiten Kinder in ihrer persönlichen Entwicklung, auf ihrem Glaubensweg und beim ‚Miteinander-leben-Lernen‘“, zitiert Viola Elisabeth Haas von der katholischen Jungschar deren Auftrag. Mit den biblischen Haltungen und Werten will die Jungschar gemeinsam mit den Kindern die Kirche und auch die Gesellschaft gestalten.

 

Denn auch wenn die Woche Minilager dann wieder vorbei ist, bleiben schöne Erinnerungen, neue Freundschaften und eine Gemeinschaft, in die man sich voller Vertrauen fallen lassen kann.

 

Bei den Workshops bastelten die Kinder zum Beispiel Blumentöpfe aus Milchkartons und verzierten sie mit Servietten.
Beim Krimispiel verkleiden wir Leiter:innen uns entsprechend unserer Rollen, heuer passierte der Mord im High Society Internat.
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