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Pfarren schauen in der Fastenzeit dort hin, wo es wehtut

KIRCHE_OÖ

In den Pfarren Pinsdorf und Altenberg drehen sich in der Fastenzeit zahlreiche Feiern und Aktionen um das neue Projekt „Wunde Punkte“.

Ausgabe: 08/2024
20.02.2024
- Paul Stütz
Scherben als Symbol für das, was im Leben zu Bruch geht und Wunden verursacht.
Scherben als Symbol für das, was im Leben zu Bruch geht und Wunden verursacht.
© © Birgit Urban

Den persönlichen Verletzungen und den Verwundungen auf der ganzen Welt wird damit Raum gegeben.

 

Es liegt in der Natur des Menschen, verletzlich zu sein –körperlich wie seelisch. „Wunden sind Teil unseres Lebens, da können wir alles noch so perfekt planen, trotzdem geht immer wieder etwas zu Bruch“, sagt Franz Pamminger, Seelsorgeverantwortlicher in der Pfarrgemeinde Altenberg bei Linz. Er hat deshalb in der Fastenzeit das neue Projekt „Wunde Punkte“ gestartet, das zahlreiche Feiern und Aktionen von Aschermittwoch bis Ostern umfasst. 


Wegschauen und schweigen helfe bei persönlichen Verletzungen nicht, ist Pamminger überzeugt. Es gehe darum, vor Gott zu bringen, was sprachlos macht, was ängstigt und am Guten zweifeln lässt. Man müsse die Wunden benennen und ihnen Raum geben.

 

„Dafür gehen wir mit unserem Projekt auch bewusst raus aus der Kirche“, betont Pamminger.  Da ist zum Beispiel das Angebot „Trostpflaster“ in der örtlichen Apotheke oder ein „Scherbenhaufen“, der beim Lagerhaus in Altenberg Stück um Stück zusammengefügt wird und für das steht, was im Leben in die Brüche gegangen ist oder nur bruchstückhaft gelungen ist.

 

Zu den Öffnungszeiten des Lagerhauses kann jede:r, die oder der mag, Scherben mit einem Klebeband auf eine Platte kleben.

 

Zu Ostern werden die Bruchlinien zwischen den Scherben  wie bei der japanischen Reparaturmethode Kintsugi verbunden. Das nennt sich „Wunden vergolden“.

 

In der Pfarrkirche wiederum können die eigenen seelischen und körperlichen Verletzungen auf Verbandsmaterial geschrieben werden, das auf einem Kreuz installiert wird.  Im Osterfeuer wird all das Belastende schließlich verbrannt. 

 

PROJEKT IN PINSDORF

 

Dass sich das Projekt „Wunde Punkte“ nicht allein auf Altenberg bei Linz beschränkt, sondern in ganz ähnlicher Form in Pinsdorf umgesetzt wird, ist kein Zufall. Franz Pamminger und Gerhard Pumberger, Pfarrassistent in Pinsdorf, haben die Idee dazu gemeinsam entwickelt.

 

In beiden Gemeinden werden mit dem Projekt neben den persönlichen Verletzungen auch Verwundungen auf der ganzen Welt thematisiert. „Es geht um Wunden der Gewalt und des Krieges, um Wunden des Artensterbens und der Bodenversiegelung, um Wunden der sexualisierten Gewalt an Frauen und Kindern“, schreibt Gerhard Pumberger in einer Ankündigung zu „Wunde Punkte“.

 

In Pinsdorf steht dazu ein Besuch in einer Imkerei  zum Thema Artenvielfalt genauso am Programm  wie das Bilden einer Menschenkette im öffentlichen Raum. „Es geht darum das Trennende in den Kulturen und Lebensweisen zusammenzubringen, bei aller Unterschiedlichkeit im Denken und Handeln, auch im Glauben, das Gemeinsame suchen“, sagt Pumberger.  

 

 

Wunde Punkte: Ausgewählte Veranstaltungen

 

Pinsdorf: Scherbenhaufen in der Gärtnerei Nußbaumer, in der Fastenzeit während der Geschäftszeiten; Brückenschlag: Bilden einer Menschenkette beim Kreisverkehr bei der neuen Brücke am Do., 14. März (19.30 Uhr); unter dem Titel „Einflugschneise“ findet in der Imkerei Franz Herzog am Mi., 20. März um 19:30 Uhr eine Veranstaltung statt.

 

 www.pfarre-pinsdorf.at

 

Altenberg: „Wunde Punkte Kreuz“ in der Pfarrkirche Altenberg. Aktion läuft bis zum 29. März. „Einflugschneise“ in der Bio-Imkerei Mayr in Wimpassing findet am Sa., 23. März um 14 Uhr statt. Es geht darum, die Buntheit und die Vielfalt in der Schöpfung, aber auch im Leben zu entdecken.

 

www.dioezese-linz.at/altenberg

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