Maria Fischer studierte Theologie und Philosophie. Sie ist Pastoralvorständin der Pfarre TraunerLand in der Diözese Linz.
„Die Stiftskirche, die Generationen vor uns gestaltet haben, gilt es so zu erhalten, dass sie als Mitte und Zentrum unseres Klosters erkennbar ist“, betont Ambros Ebhart, der Abt des Stifts Kremsmünster: „Die Kirche ist für uns Erbe und Auftrag.“
Die kommenden Jahre werden vor allem aber eine enorme finanzielle Herausforderung und ein großer Organisationsaufwand. Denn die Pfarre Kremsmünster und die Gemeinschaft der Benediktiner müssen ja weiterhin Gottesdienst feiern können. Für Abt Ambros ist klar: „Die Generalsanierung der Stiftskirche ist für die nächste Zeit das größte Projekt des Klosters.“
Im Lauf der Jahrzehnte seit der letzten Renovierung vor dem 1.200-Jahr-Jubiläum 1977 sind wieder Schäden aufgetreten und erkannt worden, die dringend behoben werden müssen. Die Außenarbeiten und die statischen Sicherungsarbeiten im Dachraum und an den Gewölbedecken konnten bereits erfolgreich abgeschlossen werden. Jetzt haben die Arbeiten im nördlichen Seitenschiff, im Mittelschiff sowie für die Orgelempore begonnen und werden 2024 fertiggestellt. In den Jahren 2025/26 folgen dann das südliche Seitenschiff, der Eingangsbereich und die Marienkapelle.
Das Abnehmen der Engel fordert geduldiges Arbeiten in kleinen Schritten.
Eine spektakuläre Aktion der Vorbereitunsarbeiten lässt Abt Ambros die Journalist:innen miterleben, die er zu einer Pressekonferenz geladen hat. Der letzte Engel, der noch das Altarbild eines Seitenaltars flankiert, wird mit einem Kran vom Podest gehoben und für den Transport in die Restaurierungswerkstätte fertig gemacht.
Engel werden zwar traditionell mit Flügeln dargestellt, aber wenn dann wirklich ein eineinhalb Tonnen schwerer Barockengel zu schweben beginnt, schauen alle gebannt auf das Ereignis. Es verlangt von den Restauratoren gut eine Viertelstunde hochkonzentrierte Arbeit. Als der Engel sicher und ohne Beschädigung auf einer Holzpalette zu liegen kommt, spürt man Erleichterung bei den Arbeitern. Auch dem Hausherren, dem Abt, ist sie anzusehen.
Projektleiter und Koordinator der Innenrenovierung ist Baumeister Peter Griebaum. Durch Arbeiten an den Klöstern Zwettl, Göttweig und Melk sind ihm die Herausforderungen einer Kirchenbaustelle bestens vertraut. In Kremsmünster stellt das Raumklima ein Problem dar: Es ist derzeit zu warm und zu feucht, was das Wachstum von Schimmel und Holzschädlingen begünstigt.
Das Bundesdenkmalamt und Griebaum setzen zur Bekämpfung dieser Probleme auf einen Maßnahmenmix. Unter anderem wird im Zuge der Renovierung durch eine Beschichtung der Kirchenfenster an heißen Tagen die Innentemperatur um fünf Grad niedriger sein als derzeit.
Um die Substanz der Kirche wieder für die kommenden siebzig bis neunzig Jahre erhalten zu können, müssen die Benediktiner des Stifts Kremsmünster rund zehn Millionen Euro in ihre Stiftskirche investieren. Abt Ambros dankt der Diözese Linz, dem Land Oberösterreich und dem Bundesdenkmalamt für die Förderzusagen, rund vierzig Prozent der Summe bleiben aber beim Stift.
Ein Sponsorenkomitee wird die Benediktiner bei der Aufbringung der großen Summe unterstützen. Selbstverständlich muss das Stift in den kommenden Jahren seine finanziellen Möglichkeiten auf die Kirche konzentrieren. Aber das heißt natürlich nicht, dass der Sozialfond des Stifts gekürzt wird, macht der Abt ausdrücklich klar. Der Einsatz für die Menschen und jener fürs Kirchengebäude dürfen kein Gegensatz sein.
Er verweist auf das Matthäusevangelium, wo Jesus die Schriftgelehrten und Pharisäer schimpft, weil sie über ihre akribischen Frömmigkeitsübungen die Barmherzigkeit außer Acht lassen. Jesus sagt: „Man muss das eine tun, ohne das andere zu lassen.“
In den kommenden Jahren werden die Sonntagsgottesdienste jeweils in dem Teil der Stiftskirche sein, der nicht renoviert wird, der aber dennoch Baustelle ist. Zum Glück stehen für Feste auch der Kaisersaal des Stifts zu Verfügung, weiters die Filialkirche Kirchberg, die Kirche Heiligenkreuz, die Marienkapelle und andere Kapellen im Stift.
Der Abt bittet für die Einschränkungen um Verständnis: „Es ist meinen Mitbrüdern und mir ein großes Anliegen, dass das geistliche und spirituelle Angebot nicht auf der Strecke bleibt und die Seelsorge nicht behindert ist.“
Im Jahr 2027 – zum Jubiläum 1250 Jahre Stift Kremsmünster – wird die Stiftskirche als das Zentrum des Klosters wieder in neuem Glanz erstrahlen.
Die nun anstehende Restaurierung der Stiftskirche Kremsmünster ist das derzeit umfangreichste Restaurierungsprojekt im Bundesland Oberösterreich.
„Umfassende Befundungen und bauphysikalische Untersuchungen des Kirchenraums sind in den Jahren 2020 bis 2022 vorausgegangen, ehe ein Gesamtkonzept erstellt und mit den Renovierungsarbeiten begonnen werden konnte“, erklärt Petra Weiss, die Landeskonservatorin des Bundesdenkmalamts in Oberösterreich und weist auf eine kunstgeschichtliche Besonderheit hin: „Die Stiftskirche Kremsmünster stellt das bedeutendste sakrale Bauwerk Oberösterreichs auf mittelalterlichem Fundament dar.“
2027 jährt sich nicht nur das Gründungsdatum des Klosters Kremsmünster zum 1.250 Mal, gleichzeitig wird auch das 750-jährige Bestehen der Stiftskirche gefeiert. 1277 weihte Abt Friedrich von Aich das fertig gestellte Langhaus, das bis heute die Grundmauern der Stiftskirche bildet. Als Ziele der Renovierung benennt Weiss, „das überkommene Erscheinungsbild zu wahren und die Stiftskirche als harmonisches Ganzes in ihrer Ausstrahlung zu präsentieren. Wir wollen der Kirche mit all den vorgesehenen Maßnahmen Gutes tun.“

Maria Fischer studierte Theologie und Philosophie. Sie ist Pastoralvorständin der Pfarre TraunerLand in der Diözese Linz.
Turmeremitin Birgit Kubik berichtet über ihre Woche in der Türmerstube hoch oben im Mariendom Linz >>

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