Maria Fischer studierte Theologie und Philosophie. Sie ist Pastoralvorständin der Pfarre TraunerLand in der Diözese Linz.
Der Johannesweg ist eine Antwort – auf Fragen, die die Patienten und Patientinnen in seiner Ordination zwar nicht direkt ausgesprochen haben, die für den Dermatologen Johannes Neuhofer aber förmlich zum Greifen waren: „Wo kann ich meine inneren Batterien aufladen? Wie finde ich Zuversicht und Lebensmut?“ Der Arzt ließ sich von diesen Fragen berühren und hat als Antwort den Johannesweg initiiert. Er versteht den Johannesweg als Hilfe, Kraft zu schöpfen und wieder in die eigene Lebensspur zu finden: „Der Weg ist nach Johannes, dem Täufer benannt, der die Menschen zur Umkehr und zu einem erfüllten Leben aufgerufen hatte.“
Johannes Neuhofer charakterisiert den Johannesweg als spirituellen Weg: „Selbstverständlich kann man ihn auch als Pilgerweg bezeichnen. Es geht um die innere Einkehr beim Gehen durch die wunderbare Natur.“
In den elf Jahren seines Bestehens hat der Weg eine ungeahnte Entwicklung genommen. Pro Jahr werden rund 12.000 Menschen als Tagesgäste und rund 13.000 Nächtigungen gezählt. Ausgehend von der Gemeinde Pierbach führt der 84 Kilometer lange Weg durch die Landschaft des Regionalverbands Mühlviertler Alm. „Es gibt kaum eine unberührtere Natur als dort, wo der Johannesweg führt. Man findet so viele Stellen, wo einem das Herz aufgeht“, betont Neuhofer.
Er verweist auf die Gesteinsformationen entlang des Wegs, auf die Aussichtspunkte, die Brunnen und auch auf die Kapellen und Kirchen. Da sind zum Beispiel die beiden Wallfahrtskirchen Kaltenberg und St. Leonhard bei Freistadt sowie die Pfarrkirche Königswiesen. Das Gotteshaus mit seinem Schlingrippengewölbe gilt als höchster Ausdruck der Baukunst der Spätgotik.
Dass der Johannesweg zu einem Anziehungspunkt für Menschen aus nah und fern und zu einem Ort des Segens geworden ist, liegt an Menschen, die entlang des Wegs wohnen, betont Johannes Neuhofer nachdrücklich: „Es ist ihre Freundlichkeit und Gastfreundschaft, die wesentlich zum Erfolg des Wegs beitragen.“
Und er streicht auch das Engagement der Gemeinden Pierbach, Schönau im Mühlkreis, St. Leonhard bei Freistadt, Weitersfelden, Kaltenberg, Unterweißenbach und Königswiesen hervor, durch die der Weg führt.
Für den Dermatologen Neuhofer steht außer Frage, dass der Johannesweg sich auch zukünftig weiter entwickeln wird: „Weil wir ihn brauchen. Der Bedarf an Labstellen für Körper, Geist und Seele ist enorm.“ Vor wenigen Jahren hätte man sich nicht vorstellen können, welche neuen Belastungen auf die Menschen zukommen. Stichworte sind Corona und der Ukrainekrieg. „Der Johannesweg ist ein Gegenpol zu unserer aggressiven Zeit, zu Gier und absolutem Leistungsprinzip. Der Johannesweg will uns zur Balance unseres Leben führen.“
Das traditionelle Johannesweg-Begegnungsfest findet diesmal am 25. Juni 2023 im Rahmen der Dekanatsvisitation statt. Bischof Manfred Scheuer wird um 9.30 Uhr in der Pfarrkirche Pierbach Gottesdienst feiern und anschließend um 10.30 Uhr den neuen Ortsplatz segnen.
Um 12.30 Uhr steht eine weitere Segnung auf dem Programm: das Friedenskreuz – Finis terrae. Das Ensemble bildet den Abschluss des Johanneswegs (halbstündige Wanderung von Pierbach aus). Beim Fest ist auch Johannesweg-Initiator Johannes Neuhofer anwesend.

Maria Fischer studierte Theologie und Philosophie. Sie ist Pastoralvorständin der Pfarre TraunerLand in der Diözese Linz.
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