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Dekanat Sarleinsbach

„Das Miteinander in den Pfarren ist deutlich gewachsen“

Kirche OÖ / Dekanat Sarleinsbach

Dechant Florian Sonnleitner und Pfarrer Maximilian Pühringer, beide Chorherren des Stifts Schlägl, erklären die Besonderheiten des Dekanats Sarleinsbach.

Ausgabe: 41/2022
11.10.2022
- Josef Wallner
H. Maximilian Pühringer OPraem und H. Florian Sonnleitner OPraem
H. Maximilian Pühringer OPraem und H. Florian Sonnleitner OPraem
© KIZ/JW

„Wir sind noch ein sehr priesterzentriertes Dekanat“, sagt Dechant Florian Sonnleitner. „In jeder der dreizehn Pfarren und Exposituren kann an Sonntagen und Feiertagen die Eucharistie gefeiert werden. Nur ausnahmsweise gibt es bei uns an Sonntagen Wort Gottes Feiern.“

 

Gleichzeitig ist aber die Bereitschaft groß, bei personellen Veränderungen in der Region auch Veränderungen beim Angebot von Gottesdiensten zuzustimmen. Als Beispiel führt der Dechant an, als er zusätzlich zur Pfarre Peilstein auch Julbach übernehmen musste: „Da war die Einsicht in der eigenen Pfarre Peilstein groß, dass auch die Gläubigen von Julbach ein Recht auf eine Sonntagsmesse haben und dass sie teilen müssen: Seelsorger und Gottesdienste.“

 

Konkret hieß das, dass H. Florian in Peilstein den Sonntagsgottesdienst um 7.30 Uhr aufgeben musste, zu dem rund 170 Personen kamen: „Dass die Leute das verstanden haben und mittragen, ist schon ein guter Ansatz, wenn man an die Zukunft denkt.“ 

 

Die Spuren der Pandemie

 

Denn auch im Dekanat Sarleinsbach wird sich künftig das engmaschige Netz an Eucharistiefeiern nicht mehr aufrechterhalten lassen. In diesem Zusammenhang weist Pfarrer Maximilian Pühringer auf eine Besonderheit in der Struktur der Pfarren hin, die bei der Veränderung des Angebots an Gottesdiensten hilfreich sein könnte: „Da Pfarr- und Gemeindegrenzen oftmals nicht identisch sind, sind die Menschen beim Gottesdienstbesuch jetzt schon recht flexibel. Das ist sicher für die Zukunft von Vorteil.“


Im Blick auf die Gottesdienste zeigt sich, dass die Coronapandemie auch im Dekanat Sarleinsbach – vermutlich wie in den Kirchen des gesamten deutschen Sprachraums – deutliche Spuren hinterlassen hat. Der Kirchenbesuch hat abgenommen. Die beiden Seelsorger zeigen das – ohne jemandem einen Vorwurf zu machen – an zwei ihrer Pfarren auf: „Es hat keinen Sinn, sich hier etwas vorzumachen. Wir müssen uns der Realität stellen.“

 

Gingen in Oberkappel, einer Pfarre mit 800 Katholik/innen, vor der Pandemie rund 250 bis 300 Leute zum Sonntagsgottesdienst, sind es jetzt 200 bis 250, in Peilstein (1785 Katholik/innen) ist die Zahl von rund 600 Kirchenbesucher/innen auf jetzt 400 gesunken. „Vor allem die Regelmäßigkeit ist weggebrochen. Wir sind in einem Umbruch. Den hat Corona extrem beschleunigt“, sagt H. Florian.

 

Aber nicht aus Zweckoptimismus, sondern aus tiefer Überzeugung rückt er das Positive in den Vordergrund: „In den allermeisten Pfarren gibt es eine gute Ministrantenarbeit, eine gute Jungschar, viele Familiengottesdienste. Es ist überall ein großes Bemühen da.“ Und H. Maximilian ergänzt: „Wird helfen immer mehr zusammen. Die gemeinsame Romwallfahrt von vier Pfarren in der letzten Ferienwoche ist ein Beispiel dafür.“ Dem stimmt H. Florian, der vor zehn Jahren das Dechantenamt übernommen hat, gerne zu: „Das Miteinander ist in dieser Zeit wirklich gewachsen.“

 

Über die eigene Pfarre hinaus

 

Das ist auch gut so. Denn aus den Pfarren des Dekanates Sarleinsbach wird in vier Jahren – 2026 – eine einzige „neue Pfarre“. Wie in der gesamten Diözese Linz werden auch die einzelnen Pfarren des Dekanats ihre jetzige Struktur erneuern und mehr als bisher mit sämtlichen Pfarren des Dekanats zusammenarbeiten müssen. „Da wir ein sehr homogenes Dekanat mit überschaubarer Größe sind, bin ich überzeugt, dass die neue Struktur wachsen wird“, erklärt H. Maximilian.

 

„Natürlich werden wir uns bemühen müssen, bei allem, was wir tun, ganz konsequent auch an die anderen Pfarren des Dekanats, nicht nur an die eigene Pfarre zu denken.“ Das Rückgrat der „neuen Pfarre“ werden die Seelsorgeteams sein. In jeder bisherigen Pfarre, die dann als Pfarrgemeinden bezeichnet werden, soll ein Team von Ehrenamtlichen die organisatorische und pastorale Arbeit tragen. 

 

Sich für die Kirche einsetzen

 

„Die Frage, ob wir genug Leute für die Seelsorgeteams finden, wird natürlich spannend. Aber wir haben jetzt schon sehr viel ehrenamtliche Mitarbeit. Wenn man die Anforderungen an die Seelsorgeteams nicht zu hoch hinaufschraubt und sie gut begleitet, mache ich mir keine Sorgen“, betont H. Florian, der den neuen Gegebenheiten gelassen entgegensieht.

 

H. Maximilian meint, dass manche Mitarbeiter/innen in den Pfarren ohnedies schon den Dienst eines Seelsorgeteam-Mitglieds verrichten ohne sich dessen bewusst zu sein. Es wird immer wieder Menschen geben, die sich für den Glauben und lebendige Pfarren einsetzen möchten, ist die Überzeugung der beiden Seelsorger. 

 

Schulung der Ehrenamtlichen

 

Um eine qualitätsvolle Seelsorge leisten zu können, ist aber eine gute Schulung notwendig. H. Florian erzählt aus seiner eigenen Erfahrung: „Wichtig ist, dass wir wie die Feuerwehr oder die Rettung Akademien schaffen, die die Leute im Rahmen der Ausbildungen begeistern können. Ich war selbst immer gerne in der Feuerwehrschule. So ein Klima brauchen wir bei kirchlichen Schulungen.“

 

Aus seiner Sicht ist die Kirche in den Orten des Dekantes Sarleinsbach stark präsent – nicht nur bei Festen des Kirchenjahres. „Kirche ist keine Randerscheinung“, sagt Dechant H. Florian. Und das lässt ihn hoffungsvoll in die Zukunft blicken.

 

Die neuen Pfarrgemeinderäte

 

Wie in allen österreichischen Pfarren waren auch im Dekanat Sarleinsbach die Pfarrgemeinderatswahlen im März 2022 ein wichtiges Ereignis, das Weichen für die Zukunft gestellt hat. In beinahe allen Pfarren des Dekanats wurde nach dem Urwahlmodell gewählt. Das heißt, dass die Pfarrangehörigen gebeten wurden, Menschen zu benennen, die sie sich als Pfarrgemeinderät/innen vorstellen könnten. Jene Leute, die am häufigsten genannt wurden – je nach Pfarrgröße zehn bis 15 Personen – wurden gefragt, ob sie das Amt annehmen. H. Maximilian freut sich, dass das so gut geklappt hat: „Nach zwei Stunden telefonieren habe ich den Pfarrgemeinderat beisammen gehabt. Keine einzige Absage.“ 


Die beiden Seelsorger H. Florian und H. Maximilian urteilen übereinstimmend: „Es sind wiederum gute Leute in die Pfarrgemeinderäte gekommen. Es ist ein Glück und ein Segen und eine echte Freude, mit so tollen Leuten arbeiten zu können.“ Die Beteiligung an der Pfarrgemeinderatswahl lag im Dekanat Sarleinsbach mit rund 25 Prozent deutlich über dem diözesanen Durchschnitt von 16 Prozent. «

 

 

Zum Foto: H. Florian Sonnleitner OPraem (rechts) ist Pfarrer von Peilstein und Julbach sowie Dechant der Dekanate Sarleinsbach und Altenfelden. 
H. Maximilian Pühringer OPraem ist Pfarrer von Oberkappel, der Kooperator-Expositur Neustift und Lembach. Beide sind Chorherren des Stifts Schlägl und werden mit Herr angesprochen, was mit H. abgekürzt wird. Das „Herr“ der Chorherren entspricht in anderen Ordensgemeinschaften der Bezeichnung Pater.  

 

 

Bischofsvisitation

 

Bischof Manfred Scheuer besucht von 13. bis 23. Oktober 2022 das Dekanat Sarleinsbach. Begleitet wird Bischof Scheuer von zwei Visitatoren und einer Visitatorin. Bei den Begegnungen wird die Vielfalt des pfarrlichen Lebens und der kirchlichen Angebote im Mittelpunkt stehen. 

 

Sonderausgabe der KirchenZeitung anläßlich der Visitation

 

 

 

Das Dekanat Sarleinsbach


Zum Dekanat Sarleinsbach gehören dreizehn Pfarren, die allesamt im Bezirk Rohrbach liegen. Im Dekanat sind sechs Priester mit voller Anstellung, ein Moderator und ein fixer Sonntagsaushelfer sowie ein Diakon tätig, der als Pfarrassistent angestellt ist. Ein Jugendleiter arbeitet mit einer halben Anstellung im Dekanat. Das Dekanat Sarleinsbach ist ländlich und von der Landwirtschaft geprägt, aber im Gebiet des Dekanats haben eine Reihe großer, innovativer Unternehmen ihren Sitz (unter anderem Loxone, Internorm, Ökofen, Oberaigner und Topic). Pfarren und politische Gemeinde sind nicht immer deckungsgleich, was aber der guten Zusammenarbeit keinen Abbruch tut. Das Dekanat zählt knapp 16.000 Katholik/innen.   

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