Gerhard seufzt resigniert. Aus seiner Sicht gibt er alles und trotzdem scheint seine Frau damit nicht zufrieden zu sein.
Ausgabe: 18/2017
02.05.2017
- Albert A. Feldkircher
„Was ich auch mache, ich kann’s meiner Frau nie recht machen“, erklärt er, „bringe ich ihr Blumen mit nach Hause, unterstellt sie mir ein schlechtes Gewissen. Bringe ich keine, bin ich nicht aufmerksam. Arbeite ich hart, damit es ihr und der Familie gut geht, habe ich zu wenig Zeit für sie. Bleibe ich zu Hause und arbeite mal nichts, bin ich faul und will mich nur verwöhnen lassen.“
Nachfragen hilft
Nörgeln weist darauf hin, dass etwas in der Beziehung nicht stimmt, dass die Partnerin unzufrieden ist. Männer tun sich oft schwer, diese Signale richtig zu interpretieren, und flüchten sich stattdessen in die Opferrolle. Dabei wäre es einfach: nachfragen würde helfen! In der Männerberatung begegne ich diesem Phänomen nicht selten. Oft sind es Männer, die ihre Hauptaufgabe darin sehen, die „Kohlen“ nach Hause zu bringen. Das klingt dann so: „Ich schufte ja wirklich genug für die Familie, mache sogar Überstunden, damit es allen gut geht. Und jetzt hat sie auch ein eigenes Auto, eine neue Küche bekommen ...“, und so weiter. Tatsächlich bemerken Männer oft (zu) lange nicht, dass ihre Ehe/Partnerschaft am Verhungern ist, während sie damit beschäftigt sind, „Futter“ herbeizuschaffen. Diese Männer übersehen, dass ihre Frau nicht nur ver-, sondern vor allem umsorgt sein will. Ich glaube, dass dieses Verhalten ein Relikt aus der patriarchalen Zeit ist, in der die materielle Versorgung beim Mann lag und die Frau für Haushalt, Kindererziehung und Beziehungspflege zuständig war. So funktioniert das nicht mehr. Wir Männer sind gefordert, unsere Beziehungskompetenz zu zeigen. Eine Liebesbeziehung auf partnerschaftlicher Ebene zu leben verlangt vielseitiges Engagement. Insbesondere gilt es, das zu pflegen, was unsere Liebe nährt:
- gute Gespräche in möglichst entspannter Atmosphäre,
- Zeit für Zweisamkeit,
- gegenseitige Unterstützung und Wertschätzung
- Kreativität entwickeln: Farbpunkte im Alltag setzen,
- eine Kultur der Zärtlichkeit und Sexualität pflegen,
- Rituale leben,
- Glaube, Hoffnung und Liebe in die Beziehung einbringen.
Was tun?
Ich denke, es braucht jetzt beide: ER muss das Gespräch mit ihr suchen und herausfinden, was ihr wirklich fehlt. SIE muss sich öffnen und ihm sagen, worum es ihr wirklich geht und was ihre Wünsche sind. Wichtig bei diesem Gespräch: keine gegenseitigen Vorwürfe. Bedenke: „Vorwürfe sind eingefrorene Bedürfnisse.“
Bei Fragen und Problemen wenden Sie sich an: Beziehung Leben, Partner-, Ehe-, Familien- und Lebensberatung, Kapuzinerstraße 84, 4020 Linz, Tel. 0732/77 36 76.