Die Katholische Arbeitnehmer/innen Bewegung (KAB) hat am 7. Oktober mit Aktionen auf den „Welttag für menschenwürdige Arbeit“ aufmerksam gemacht. Auch in Oberösterreich macht den Beschäftigten der steigende Arbeitsdruck zu schaffen.
Ausgabe: 2013/41, Arbeitsbedingungen, KAB, Betriebsseelsorge, Welttag für menschenwürdige Arbeit
08.10.2013
- KAB/EG
In Linz haben KAB-Mitarbeiter/innen an Beschäftigte von Verkehrsunternehmen Karten verteilt, auf denen jeweils ein Schoko-Stückchen aufgeklebt war und die „einen guten Arbeitstag, gerechte Verteilung, freien Sonntag und Grundeinkommen“ wünschten. Ähnliche Aktionen gab es in Oberösterreich überall, wo die Betriebsseelsorge und/oder die KAB aktiv ist. 4000- bis 5000-mal wurde ein guter Arbeitstag gewünscht.
Erhöhtes Arbeitstempo
„Schön, dass jemand daran erinnert, dass Arbeit gut sein kann ... Schön, dass mir jemand einen guten Arbeitstag wünscht ... Es nimmt der Druck zu, auch weil Fahrgäste aggressiver werden ...“ – Das waren einige Stellungnahmen der beschenkten Chauffeure. Gute Arbeit ist gerade seit der Krise 2009 keine Selbstverständlichkeit. In vielen Betrieben wurde Personal abgebaut, für die verbleibenden Beschäftigten erhöhten sich Arbeitsumfang und -tempo, betont die KAB.
Auch krank zur Arbeit
„Die Erfahrung, dass Aufträge trotz unmöglicher Liefertermine angenommen werden, und das Wissen, Arbeitsspitzen durch Mehrarbeit alleine bewältigen zu müssen, führen zu enormem Druck“, heißt es in einer Erklärung der KAB. Arbeitnehmer/innen- und Mitbestimmungsgesetze würden – unter Hinweis auf die Auftragslage – zunehmend ausgehöhlt oder umgangen. Unter solchen Voraussetzungen wachsen Existenz- und Versagensängste. „88 % der Beschäftigten sind auch außerhalb ihrer Arbeitszeit erreichbar, 40 % gehen krank zur Arbeit, viele fühlen sich überlastet“, zitiert die KAB Befragungen. In den Rundengesprächen und in den Mobbing- bzw. Burnout-Beratungen der Betriebsseelsorge kommen die belastenden Erfahrungen aus der Arbeitswelt zur Sprache.
Solidarität statt Geldfetischismus
„Geld ist da, um zu dienen, nicht um zu herrschen!“ Auf diesen Satz von Papst Franziskus aus einer Ansprache im Mai 2013 weist die Katholische Arbeitnehmer/innen Bewegung hin. Dem „Geldfetischismus“ und der „Diktatur einer Wirtschaft ohne Gesicht und ohne menschliche Ziele“ stellte der Papst Solidarität und eine Rückkehr zur personenbezogenen Ethik in der Finanz- und Wirtschafts-Welt entgegen. So fordert auch die KAB faire Wirtschafts- und Arbeitsbedingungen. Sie weist darauf hin, dass KAB und Betriebsseelsorge Beratung und Unterstützung an unterschiedlichen Standorten in Oberösterreich anbietet und jeden Montag von 17 bis 20 Uhr Betroffenen das „Mobbing-Telefon“ – Tel. 0732/76 10-36 10 – zur Verfügung steht.