2010 machte ein Spanier mit Downsyndrom den Hochschulabschluss. Schulische Integration hat das möglich gemacht. Die Schulleiter in Oberösterreich wollen diese Herausforderung aktiv angehen, haben aber dabei einige größere Hürden aus dem Weg zu räumen.
„Man darf von der Gesellschaft hinsichtlich Integration etwas verlangen. Ausgrenzung ist falsch. Es ist eine Frage, wie wir mit den Schwächeren umgehen.“ – Direktor Mag. Reinhard Furtlehner von der Fachschule für wirtschaftliche Berufe in Baumgartenberg bricht eine Lanze für die schulische Integration. Seine Schule geht hier mit gutem Beispiel voran. Die Schule vom „Verein der Schwestern vom Guten Hirten für Bildung und Erziehung“ hat heuer vier Mädchen mit sonderpädagogischem Förderbedarf aufgenommen. Sie setzt damit um, was nun durch das Schulgesetz in einem Teilbereich auch für die Oberstufe möglich ist.
Vielfältig integrieren!
Integration hat viele Facetten. Sie wird auch vielfältig in katholischen Privatschulen umgesetzt. Das Oberstufen-Realgymnasium der Franziskanerinnen in Vöcklabruck etwa (neun Klassen, 248 Schüler/-innen) macht seit Jahren gute Integrations-Erfahrungen. Direktor Mag. Hans Gebetsberger nennt es eine Selbstverständlichkeit, dass muslimische Schüler/innen in der katholischen Schule sind, und erzählt, dass schon zwei blinde Schüler die Matura gemacht haben. Aktuell besucht ein stark sehbehinderter Jugendlicher die 6. Klasse.
Es braucht Ausstattung
„Interessant“ nennen viele Schulleiter/innen katholischer Privatschulen die Herausforderung, Schüler/innen, die Förderbedarf haben oder nicht den gewöhnlichen Aufnahmekriterien entsprechen, auch in die Oberstufe zu integrieren. Der gesellschaftliche Umdenkprozess dürfe aber nicht an den Schulen und den Lehrer/innen hängen bleiben. Es brauche entsprechende Ausstattung mit zusätzlichen und ausgebildeten Lehrkräften. Die beiden Direktoren Dr. Wolfgang Waxenegger von den Fachschulen für wirtschaftliche Berufe der Oblatinnen in Linz-Urfahr und Mag. Reinhard Furtlehner von der Fachschule in Baumgartenberg betonen übereinstimmend, wie wertvoll die Arbeit solcher Zusatz-Pädagoginnen ist. Aber auch Sorgen sprechen Schulleiter/innen von Oberstufen-Formen kirchlicher Privatschulen aus. Etwa, dass heute schon viele Schüler/innen, obwohl sie keinen sonderpädagogischen Förderbedarf haben, große Aufmerksamkeit der Unterrichtenden brauchen. Manche Kinder sind psychisch krank, haben Magersucht, Depressionen, leiden an Antriebslosigkeit oder können sich nichts mehr merken. Aggressive Kinder belasten das Schulklima. Manche Kinder sind daheim sehr gefordert, weil sie zum Beispiel die kranke Mutter pflegen. „In allen Fällen leistet der Staat wenig Unterstützung“, klagt ein Gymnasialdirektor. Diese Schulwirklichkeit aber bräuchte an den Schulen angestellte Schulpsycholog/innen und Sozialarbeiter/innen. „Wenn es die gibt, können wir über weitere Integration reden.“ Probleme werden natürlich schon auch gesehen. So fragt sich ein Direktor, wie es auf betroffene Schüler mit Beeinträchtigung wirkt, wenn sie aus manchen Unterrichts-Bereichen herausgenommen werden.
Herausforderung
Integration ist eine Herausforderung, für die es im Bereich der katholischen Privatschulen eine große Bereitschaft gibt. Es müssten aber gesetzlich noch einige Hürden gemeistert werden. Etwa dass die Aufnahme von Rollstuhlfahrer/innen nicht an der Einschätzung scheitert, sie könnten in manchen praktischen Fächern das Lehrziel nicht erreichen.
Dir. Reinhard Furtlehner über Erfahrungen an seiner Schule
Katholische Privatschulen
In Oberösterreich führt die katholische Kirche sieben Volksschulen, neun Hauptschulen, 13 AHS und 25 BMHS. Diese werden insgesamt von fast 12.000 Schüler/innen besucht. Damit beträgt der Anteil der katholischen Privatschulen an den Schulen in Oberösterreich etwas mehr als sechs Prozent. Siehe „Tage der offenen Tür“.
Positionen
„In einer katholischen Privatschule ist es das Um und Auf, dass man sich an die konkreten Menschen wendet und nicht von den Handicaps ausgeht.“ Mag. Michael Haderer, Privatschulreferent der Diözese Linz,
„Auch verhaltensauffällige Jugendliche machen durch individuelle Betreuung gute Fortschritte. Die Kleinheit der Schule hilft uns, individuell auf sie einzugehen.“ Mag. Hans Gebetsberger, Direktor am ORG Franziskanerinnen Vöcklabruck
„Die Beschulung von körperbehinderten Kindern in der Unter- und Oberstufe ist bei einigem guten Willen kein größeres Problem. Im Petrinum haben wir hier gute Erfahrungen. Bei anderen Handicaps sind genaue Differenzierungen notwendig. Jede Pauschalaussage würde hier falsche Erwartungen wecken. Stützsysteme sind aber Voraussetzung.“ Mag. Franz Asanger, Direktor am Petrinum Linz
„Als ich nach Österreich kam, habe ich geglaubt, mein Leben ist zerstört. Es ist ein Wahnsinn, dass ich so gut integriert bin.“ Denis Memaj, Schüler am ORG der Franziskanerinnen in Vöcklabruck. Der muslimische Schüler aus dem Kosovo lebt seit 2011 in Österreich.