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„Gott sei Dank hat er sich nicht umgebracht“

Er erzählt gerne über seine Erlebnisse mit jungen Menschen. Die Person Ernst Forstner bleibt dabei aber im Hintergrund. Wichtig waren und sind dem 86-jährigen die Schicksale der Jugendlichen und die Freude darüber, dass er vielen von ihnen helfen konnte – immer dem Leitsatz von Joseph Cardijn folgend.
Ausgabe: 2014/04, Solidaritätspreis, Forstner
13.01.2014
- Brigitta Hasch
©
Ein sehr einprägsames und unvergessliches Erlebnis schilderte Ernst Forstner anlässlich der Verleihung des Solidaritätspreises den Gästen im Steinernen Saal des Linzer Landhauses. Er erzählt von einem Telefonat. Einer „seiner Burschen“ rief ihn an und teilte ihm nur kurz mit, dass er sich jetzt umbringen würde. „Was sollte ich jetzt tun? Ich konnte nichts tun. Ich musste sein Schicksal in die Hände Gottes legen.“ Diese Momente bewegen Ernst Forstner noch heute – obwohl die Sache gut ausgegangen ist. „Er hat sich dann Gott sei Dank nicht umgebracht.“

Jugendliche begleiten ihn sein ganzes Leben


Ernst Forstner war als junger Mann in der Katholischen Arbeiterjugend tätig. Viele Jahre hatte er als „Mädchen für alles“ und später als Verwalter im Lehrlingsheim in der Beethovenstraße tagtäglich Kontakt mit jungen Menschen und ihren Problemen.
Als er 1992 in Pension ging, lernte er in seinem Wohnviertel in Linz Jugendliche kennen, die dringend der Hilfe und Begleitung bedurften. „Viele von ihnen sind oft am Sportplatz. Dort habe ich sie angesprochen und so sind wir ins Reden gekommen“, erzählt Ernst Forstner von seinen ersten Begegnungen. Es waren vorwiegend Burschen und Scheidungswaisen ohne echten Familienhintergrund. Die meisten hatten Schule oder Lehre abgebrochen, einige waren sogar wegen Eigentums- und Drogendelikten bei der Polizei bekannt.

Manche Jugendliche schickte er zum Heer


Die Jugendlichen vertrauten sich dem Pensionisten schnell an. Er war Gesprächspartner, oft aber auch Begleiter bei Amtsgängen. „Die Eltern konnten oder wollten sich darum nicht kümmern. Der fami­liäre Hintergrund war meist keine Unterstützung für die Jugendlichen. Viele waren ja noch minderjährig.“ So füllte Ernst Forstner Formulare aus, verfasste Ansuchen und absolvierte Behördengänge mit seinen Schützlingen. Er versuchte in vielen Fällen eine geeignete Lehr- oder Arbeitsstelle zu finden, vermittelte in Konflikten mit der Schule oder dem Arbeitgeber und half bei der Suche nach günstigen Wohngelegenheiten. Einige Male war er mit dem Problem konfrontiert, die Zeit zwischen Schulabgang und Einberufung zum Bundesheer zu überbrücken. „Wenn junge Burschen nach der Schulpflicht keinen Arbeitsplatz finden, aber auch noch nicht wehrpflichtig sind, geraten sie schnell auf die schiefe Bahn. Da kommt das volle Programm: Alkohol, Drogen und kriminelle Handlungen“, weiß Ernst Forstner. Also verhalf er ­einigen jungen Männern zu einer vorzeitigen Einberufung.

Er mietete Wohnung, um besser helfen zu können


„Oft hatte ich den Eindruck, dass die Jugendlichen mit ihrer freien Zeit nichts anzufangen wussten und dann auf dumme Gedanken kamen“, schildert Ernst Forstner weiter. Also mietete er 1992 eine kleine Garconniere in der Lüfteneggerstraße. Sie dient noch heute als fixer Treffpunkt und steht täglich von 9 bis 18 Uhr offen. Er besorgte Spiele, ein Aquarium, weiße Mäuse als Haustiere, brachte manchen das Angeln bei, spielte mit ihnen Fußball oder unternahm kleine Wanderungen und Ausflüge.

Zu ihm kommen Moslems und Asylanten


Heute kommen vorwiegend junge Moslems und Asylanten in die Wohnung zu Ernst Forstner. „Wir reden über ihre Situation, dann legen sie ihre Jacken auf den Boden und beten.“
Ein beschauliches Pensionistendasein gönnt er sich auch mit fast 87 Jahren und trotz spürbar werdender körperlicher Einschränkungen nicht. Besonders freut es ihn, ab und zu von den Jungen von damals zu hören, die nun selbst Erwachsene geworden sind.
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