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Zwischen Vorsicht und Mut

Kinder brauchen Erfahrungen, um daraus zu lernen. Manchmal erscheinen die Mutproben der Kleinen den Erwachsenen aber zu gefährlich, man will sie ja vor einem Unheil bewahren. So müssen Eltern fast täglich zwischen Sicherheit und Risiko entscheiden.
Ausgabe: 2017/21
23.05.2017
- Brigitta Hasch
© Elena Stepanova - Fotolia
Wenn es darum geht, Verletzungen oder gar bleibende Schäden für die Kinder zu vermeiden, gilt natürlich: Risiko verboten! Aber so eindeutig ist die Lage nicht immer. Meist ist es Ermessenssache, wie viel man seinem Kinder oder Enkelkind zutraut.

Risikokompetenz


Prinzipiell ist es wichtig, dass Kinder ihrem Alter und der persönlichen Entwicklung entsprechend immer wieder neue Dinge ausprobieren. Ein aufgeschlagenes Knie oder blaue Flecken gehören dazu. Es klingt vielleicht hart, aber durch Scheitern erkennen Kinder ihre Grenzen und lernen, sich beim nächsten Mal vorsichtiger oder anders zu verhalten. Sie erwerben Schritt für Schritt eine Bereitschaft, Gefahren zu erkennen, zu bewältigen und zu beseitigen. Mit jedem Scheitern und Gelingen werden die Kinder sicherer. Fachleute nennen diese Fähigkeit Risikokompetenz.

Erfahrungen zulassen


„Es gibt viele Dinge, die man einem Kind eigentlich gar nicht anlernen muss“, meint die Kindergarten­pädagogin Iris Radler-Gollner*). Als Beispiel nennt sie das Erklimmen von Klettergerüsten oder Bäumen. Wer sein Kind auf einen erhöhten Standort hebt, vermindert seine Lernchancen, aus eigener Kraft dorthin zu gelangen. Die guten Absichten, das Kind nur ja keinem Risiko auszusetzen, führt dazu, dass das Kind selbst unsicher wird. „Außerdem nimmt man dem Kind die Möglichkeit, selbst zu entscheiden. Die angeborene Neugierde, der Forscherdrang der Kinder ist aber ganz wichtig für die körperliche und geistige Entwicklung.“ Ein weiteres Beispiel, wie sehr Kinder durch Improvisieren, Ausprobieren und Herantasten immer wieder neue Erfahrungen machen, ist das Basteln und Spielen. Besonders anziehend sind für Kinder dabei einfache Dinge und Materialien, die sie im Garten oder am Dachboden finden. Das sind oft keine Spielsachen, sondern vielleicht Naturmaterialien, Holzklötze oder altes Werkzeug. „Aus falsch verstandenem Sicherheitsstreben sollte man dem Kind nicht gleich alles wegnehmen. Ein Holzstück kann man aber schon daraufhin untersuchen, ob etwa ein alter rostiger Nagel hervorsteht. Hat man diese Gefahr entfernt und ist das Holzstück nicht zu kantig oder groß, können Kinder durchaus damit spielen“, meint Expertin Radler-Gollner. Dass sich das Kind dennoch einen Schiefer einziehen kann, stellt eine neue Erfahrung dar. Beim nächsten Mal wird es das Holzstück vorsichtiger angreifen. « *) MMag. Iris Radler-Gollner ist ausgebildete (Sonder-)Kindergartenpädagogin. Derzeit ist sie als Fachorgan der AUVA für Unfallprävention in Bildungseinrichtungen zuständig. Ihr Artikel über Unfallvermeidung zwischen Sicherheit und Gefahr ist im Fachjournal „Unsere Kinder“ 5/2016 erschienen.
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