Musik in Kirchen hat ihren festen Platz. Die musikalische Gestaltung von Gottesdiensten ist Teil der Liturgie. In vielen Kirchen und Klöstern finden zudem Konzerte und Festivals statt. Kultur bringt Menschen in die Kirche – und bereichert auch die Musizierenden selbst.
Ausgabe: 2017/21
23.05.2017
- Elisabeth Leitner
Probenzeit ist fast immer in den Kirchenchören, denn die kirchlichen Festtermine sind besonders im Mai und Juni dicht. Jetzt wird zum Beispiel in Spital am Pyhrn für Pfingsten geprobt, Haydns „Jugendmesse“ wird am Pfingstsonntag erklingen. Dass die Musik jedem Fest „einen wunderbaren Glanz verleiht“, findet Chorsängerin Karin Matzer vom Kirchenchor Spital. Musik kann aber noch viel mehr: „Durch Musik gelingt es, Stimmungen ganz unmittelbar zu erspüren, Wahrheiten zu erahnen, und zwar auf einem Weg jenseits der Worte“, beschreibt sie ihren Zugang zu Musik. Die tröstliche Funktion der Musik hat einen unschätzbaren Wert für sie. Die bewegenden Lebenssituationen wie Hochzeiten oder Begräbnisse sind ohne Musik für sie kaum vorstellbar.
Nach Jahren kirchlicher Abstinenz
Sie hat zudem die Erfahrung gemacht, dass Menschen über die Kirchenmusik „nach Jahren kirchlicher ‚Abstinenz‘ wieder einen Anknüpfungspunkt zur Kirche und einen Zugang zum Glauben finden“, erzählt Matzer. Darüber hinaus schätzt sie das Erleben von Gemeinschaft und Verbundenheit im Kirchenchor über alle Alters-, Berufs-, Bildungsschichten und sogar Landesgrenzen hinweg. Denn der Spitaler Chor besteht aus Mitgliedern, die aus Oberösterreich und der Steiermark zum Proben und Singen kommen. Die Kirchenmusik wird im Ort und von Auswärtigen geschätzt. Karin Matzer berichtet, dass manche Besucher/innen überrascht sind von der hohen Qualität, die sie hier „in der Provinz“, wie Matzer sagt, zu hören bekommen: „Sowas gibt es sonst nur in Linz oder Wien.“ – Diese Rückmeldung hat die Chor- und Orchestergemeinschaft unter der Leitung von Otto Sulzer schon öfter bekommen.
Ehrenamt und Freundschaft
Die ca. 35 Sänger/innen treffen sich wöchentlich, um 1,5 Stunden zu proben, vor Auftritten wird die Probenzeit mehr. An Probenwochenenden wird die Chorarbeit gemeinsam vertieft. Proben und Singen ist Ehrenamt, dazu gehört u.a. Noten zu organisiseren und zu sortieren, Plakate zu drucken und die Homepage zu betreuen. Dass im Lauf der Jahre auch Freundschaften entstehen und durch musikalische Aktivitäten wie die kommende Aufführung der „Jugendmesse“ bis ins hohe Alter vertieft werden, passiert dann ganz nebenbei.
Kulturraum Alte Kirche
Neue musikalische Pfade in der Alten Kirche beschreitet man in Marchtrenk. In den letzten 20 Jahren wurde die Kirche aus dem 15. Jahrhundert als kulturelle Spielstätte entdeckt. Zum vierten Mal findet dort heuer die Veranstaltungsreihe „Kulturraum Alte Kirche Marchtrenk“ statt. Erstklassige Ensembles bespielen hier von Juni bis Oktober die „Alte Kirche“ in Marchtrenk. „Die Initiative Kulturraum Alte Kirche möchte diese Tradition vertiefen und den wunderbaren sakralen Raum einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen“, berichtet Ulrike Mollhuber vom Kath. Bildungswerk Marchtrenk.
Kirche und Gemeinde
Das Kath. Bildungswerk Marchtrenk und die Stadtgemeinde Marchtrenk arbeiten hier zusammen. Markus Springer ist der künstlerische Leiter dieser Musik-Reihe. Am Sa., 3. Juni wird das Schwanthaler Trompetenconsort die Reihe eröffnen. Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, Heinrich Ignaz Franz Biber und seinen Zeitgenossen wird dabei erklingen (Beginn: 20 Uhr). Tuba-Blues mit Hans Georg Gutternigg, das Calamus-Consort mit Bläsermusik sowie die Luther Stadtpfeiffer werden in den kommenden Monaten ebenfalls in der Alten Kirche zu hören sein.
Info: www.kulturraum-alte-kirche.at, www.kirchenchor-spital-am-pyhrn.at