Da sein und begleiten – mit diesen Worten beschreibt Propst Johann Holzinger seinen Dienst als Polizeiseelsorger von Oberösterreich, den er seit drei Jahren ausübt.
Ausgabe: 22/2017
30.05.2017
- Josef Wallner
Von außen betrachtet ist der Dienst des Landespolizeiseelsorgers unspektakulär. Propst Johann Holzinger hält es für gut, an wichtigen Punkten eines Polizistenlebens präsent zu sein: bei der Angelobung wenige Monate nach Ausbildungsbeginn, bei der Ausmusterung am Ende der zweijährigen Grundausbildung und bei Ehrungen. „Ich möchte dort sein, wo der Segen Gottes gefragt ist. Ich habe noch nie so viel Bedürfnis nach Segen gespürt wie bei der Polizei“, sagt der 66-jährige erfahrene Seelsorger.
Rasche Entscheidungen
Polizisten müssen oft in Sekundenschnelle Entscheidungen treffen, die weitreichende Konsequenzen haben. Da spüren viele, dass das Vertrauen in einen Schutz von oben hilfreich ist, so der Propst.
Zwei junge Polizisten, zu deren Ausbildungsabschluss der Landespolizeiseelsorger gekommen ist, stimmen dem zu. Manuel Leitner holt ein wenig aus: „Ich möchte für die Menschen da sein. Wenn mich wer als Polizist sieht, soll er sich sicher und wohl fühlen.“ Aber schon die praktischen Einsätze während der Ausbildung haben ihm gezeigt, dass man viel Feingefühl im Umgang mit den Menschen braucht, damit man Verständnis für die unterschiedlichen Charakteren aufbringt und damit man gerecht rüberkommt.
Da ist das eigene Gewissen immer wieder gefordert, so Leitner, und manchmal sagt er auch mit Blick auf Gott: „Bitte hilf mir“, oder: „Danke, dass es geklappt hat.“
Der Seelsorger erinnert
Selbstverständlich hält man sich in schwierigen Situationen an die Kollegen, betont Denise Soukup. Der Zusammenhalt ist wesentlich, aber dann und wann spürt man, dass auch von „irgendwo anders her Unterstützung kommt.“
Zu ihrem Resümee in den zwei Jahren der Ausbildung gehört auch die Erfahrung: „Die Leute verlassen sich auf uns. Das ist schön.“ Dass an einem Festtag wie dem Abschluss ihrer Ausbildung Propst Holzinger zu Wort kommt, finden Denise Soukup und Manuel Leitner selbstverständlich: „Super, dass wir ihn dabeihaben. Er gehört dazu. Er bringt immer gute Gedanken ein und man macht sich Gedanken über das, was er sagt. Er erinnert uns daran, dass jemand auf uns aufpasst.“
Beitrag zur Gewissensbildung
Oberst Erwin Spenlingwimmer, der Leiter der Polizei-Ausbildung in Oberösterreich, ist die Einbeziehung eines Seelsorgers ein großes Anliegen. Die Polizist/innen geloben, die Gesetze der Republik Österreich zu befolgen und ihre Pflichten treu und gewissenhaft zu befolgen. „Das Gewissen muss aber gepflegt werden“, so der Oberst. Dazu leistet der Lehrgegenstand Berufsethik seinen Beitrag, aber auch der Polizeiseelsorger. Was den Chef des Bildungszentrums der Sicherheitsexekutive in Oberösterreich freut: „Wir holen über alles und jedes während der Ausbildung Rückmeldungen ein. Von den inzwischen 1500 Absolvent/innen wurde noch nie die Einbeziehung der Seelsorge kritisiert.“
Propst Johann Holzinger kommt seiner Aufgabe als Polizeiseelsorger gerne nach und er weiß um die Herausforderung: „Es ist ein sehr spezieller Dienst der Seelsorge für eine Berufsgruppe, die unter besonderen Anforderungen in einer sich rasant ändernden Gesellschaft steht.“ Zum Abschluss des „Polizei-Grundausbildungslehrgangs 22-15“ am 24. Mai 2017 spricht er den Segen über die neuen Polizist/innen und wünscht ihnen, dass sie mit der Hilfe Gottes Ja sagen können. Ja zu Recht, Frieden, Staat und Gemeinschaft: „Aus dem Leben im Ja finden wir Sinn.“ «