Jean Benjamin Sleiman, Erzbischof von Bagdad, berichtete bei seinem Besuch in der Missio-Zentrale in Wien und in Linz über die politische Situation im Irak.
Ausgabe: 22/2017
30.05.2017
- Susanne Huber
Viele Christen etwa aus der irakischen Ninive-Ebene, die während der Invasion der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) 2014 ihre Dörfer verlassen mussten, wollen wieder in ihre Häuser zurückkehren. Eine aktuelle Umfrage unter irakischen Binnenflüchtlingen zeige auf, dass 46 Prozent von ihnen das ernsthaft in Betracht ziehen, wie Herbert Rechberger, Direktor von „Kirche in Not“, bei dem Gespräch in der Missio-Zentrale mitteilte. Das sei auf der einen Seite erfreulich, auf der anderen Seite aber auch schwierig, sagte der Erzbischof von Bagdad, Jean Benjamin Sleiman. Es gäbe zwar die Hoffnung des Wiederaufbaus der zerstörten Dörfer; ein Problem sei jedoch, dass verlassene Häuser beispielsweise im befreiten Teil von Mossul mittlerweile von anderen Bürgern besetzt wurden. „Das sind Umstände, welche die Leute daran zweifeln lassen, dass es wieder zu einem normalen Leben wie vor der Invasion kommen kann.“ Die große Herausforderung bestehe allerdings darin, „das Vertrauen und die Sicherheit im Irak wieder herzustellen, rechtsstaatliche Strukturen aufzubauen und in erster Linie die politischen Probleme zu lösen“, meinte der Erzbischof.
Waffenhandel
Der Kampf gegen den IS durch die irakische Armee und irakische Milizen sei bis jetzt eine siegreiche Schlacht, sagt Sleiman. „Doch was mich beunruhigt ist, was kommt, nachdem der IS gänzlich besiegt ist. Es gibt die große Bedrohung der Teilung des Irak. Die Territorien, die vom IS eingenommen waren und zurückerobert wurden wie die Ninive-Ebene, sind größtenteils politisch umstrittene Regionen. Die irakischen Protagonisten und die internationalen Mächte kämpfen darum“, erklärte der Erzbischof. „Wer behauptet, den Terrorismus zu bekämpfen und gleichzeitig Waffen verkauft, hat nicht wirklich die Absicht, Kriege zu beenden“, prangert der gebürtige Libanese an. Außerdem sei auf internationaler Ebene das Vertrauen in den UNO-Sicherheitsrat und in die Vereinten Nationen gesunken. «