Gebrechliche Großeltern im Schaukelstuhl, das war gestern. Heutzutage erleben Kinder ihre Omas und Opas vital und aktiv. Das Zusammenleben und Gestalten von Beziehungen zwischen den Generationen ist allerdings nicht immer einfach.
Ausgabe: 22/2017
30.05.2017
- Albert A. Feldkircher
„SMS und WhatsApp schreiben hat mir meine Enkelin beigebracht“, erzählte mir kürzlich nicht ohne Stolz eine Frau. Und aufgeschlossene Opas lernen von ihren Enkeln so allerhand Neues über virtuelles Einkaufen oder über die wirksamsten Virenschutzprogramme. Kindern macht es sichtlich Spaß, ihren Großeltern etwas zu zeigen, was sie bereits können. Sie fühlen sich dabei wichtig und genießen das Staunen von Oma und Opa.
Enge Beziehung
Wenige Familienmitglieder stehen einander so nahe wie die jüngste und die älteste Generation. Gemeinsam verbrachte Zeit, interessante Gespräche und Unternehmungen schaffen Beziehung. Häufig verbindet beide, Großeltern und Enkel, eine lebenslange Liebe miteinander, bei der beide Hälften so manch Hilfreiches voneinander lernen können.
Das alte Klischee von greisen Omas und Opas im Lehnstuhl sitzend wurde abgelöst von aufgeschlossenen aktiven Großeltern. Laut einer Studie des Deutschen Jugendinstitutes verbringt jedes dritte Kind mindestens einmal die Woche mehrere Stunden bei Oma und Opa. Als Babysitter setzen sogar zwei Drittel der Eltern sporadisch ihre eigenen Väter und Mütter ein. Vor allem, wenn beide Elternteile berufstätig sind, kommt den Großeltern eine wichtige Rolle zu. Natürlich gibt es auch die Großeltern, die nur losen Kontakt zu ihren Enkeln haben und ihre eigene Freiheit leben. Die meisten Älteren wünschen sich aber, eine Bedeutung im Leben der ganz Jungen zu haben. Sie genießen es, gebraucht zu werden, und genießen den Umgang mit den Kindeskindern als Jungbrunnen. Die Großeltern-Rolle gehört daher zu den positiv besetzten Altersbildern.
Regeln fürs Miteinander
Das Zusammenleben und Gestalten von Beziehungen zwischen den Generationen ist allerdings herausfordernd und nicht immer einfach. Vor allem – aber nicht nur – wenn sie unter einem gemeinsamen Dach wohnen. Da braucht es Spielregeln für ein gutes Miteinander, regelmäßige Absprachen und respektvollen Umgang. Wie viel Unterstützung ist gut, wo ist Abgrenzung nötig? Die Erziehungsverantwortung liegt bei den Eltern.
Eine besondere Bedeutung gewinnt das Vertrauensverhältnis, wenn es zu Hause schwierig wird: wenn ständig Streit zwischen Kindern und Eltern droht oder wenn die Eltern sich trennen. Enkel mit Rückhalt bei Oma und Opa stehen solche Krisen besser durch: Die dritte Generation wird zu einem emotionalen Anker.
Die Großeltern-Generation verfügt über einen Schatz, der gerade in den heutigen Doppelverdiener-Familien sehr kostbar ist: Zeit und Ruhe. Wie ein „doppelter Boden“ sichern Oma und Opa den oft sehr ausgefüllten Alltag der Eltern ihrer Enkel. «
Bei Fragen und Problemen wenden Sie sich an: Beziehung Leben, Partner-, Ehe-, Familien- und Lebensberatung, Kapuzinerstraße 84, 4020 Linz, Tel. 0732/77 36 76.